von Redaktion

Nimes – Der kleine Triumphator Caleb Ewan schloss sein Töchterchen in die Arme, sein unermüdlicher Adjutant Roger Kluge genoss die Spontanparty am Teambus mit Freundin Judith und Töchterchen Jenna: Aus der brutalen Hitzeschlacht von Nimes auf der 16. Etappe der Tour de France wurde schnell ein großes Familienfest der Lotto-Soudal-Mannschaft. „Dass Caleb seine Tochter endlich wiedersehen konnte, hat ihm Zusatzkraft gegeben“, sagte Kluge.

Bei Temperaturen an die 40 Grad in Südfrankreich zeigte der nur 1,65 m große Australier Ewan (genannt: „Kraftwürfel“) seine riesige Klasse und behielt im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf. Taktisch perfekt siegte er vor seinen Dauerrivalen Elia Viviani (Italien/Deceuninck-Quick Step) und Dylan Groenewegen (Niederlande/Jumbo-Visma), als erster Sprinter holte er seinen zweiten Etappenerfolg bei der 106. Frankreich-Rundfahrt, den dritten insgesamt für sein Team.

„Um ehrlich zu sein: Ich habe mich richtig mies während des Rennens gefühlt“, sagte Ewan: „Ich glaube, die Hitze hat mich echt erwischt. Ich habe so gelitten und wollte schon meinen Teamkollegen sagen, dass sie nach vorne gehen und um den Sieg kämpfen sollen.“ Die Leiden waren im Ziel aber schnell vergessen, zumal seine Ehefrau auch sein zweites, gerade einmal sechs Wochen altes Kind mitgebracht hatte.

„Wir haben nach dem Ruhetag wieder gut reingefunden. Wir wussten, wir haben noch zwei Chancen – jetzt haben wir schon die erste genutzt“, sagte Routinier Kluge und meinte mit Blick auf die hammerharten Alpenetappen: „Jetzt müssen wir wieder ein paar Tage leiden.“

Die weiteren Deutschen hatten im Glutofen rund um Nimes weniger Spaß. So war Sprint-Routinier Andre Greipel erneut völlig chancenlos. Der 37 Jahre alte Rostocker vom Außenseiterteam Arkea-Samsic landete als bester Deutscher auf Platz 15 und ist damit weiterhin ohne Top-10-Platzierung.

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Franzose Julian Alaphilippe ohne große Mühe. Der Quick-Step-Kapitän führt vor den letzten fünf Etappen mit 1:35 Minuten vor Titelverteidiger Geraint Thomas (Großbritannien/Ineos), der gestern einen Sturz unverletzt überstand. „Ich bin einfach über den Lenker geflogen. Es geht mir aber gut, mich sollte nichts in den Alpen behindern“, sagte Thomas, für den es bereits der dritte Sturz der laufenden Tour war.

Sechster bleibt Emanuel Buchmann (Ravensburg/Bora-hansgrohe). Der deutsche Podiumskandidat nahm die hohen Temperaturen gelassen, schon am vorangegangenen Ruhetag hatte er geäußert: „Mit der Hitze habe ich kein Problem. Lieber so ein Wetter als kalt.“ Allerdings hatte er auch ein paar bange Momente zu überstehen: „Bei solchen Sprintetappen bin ich schon immer froh, wenn ich sturzfrei durchkomme. Bei den Stürzen war ich immer nah dabei, aber hatte immer Glück“, erzählte er.

Ein weiterer Konkurrent Buchmanns musste aufgeben: Der Däne Jakob Fuglsang, drei Minuten hinter dem Deutschen auf Gesamtplatz neun, verletzte sich bei einem Sturz rund 30 km vor dem Ziel.  sid

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