„Horngacher hat das Feingefühl“

von Redaktion

Skispringer Markus Eisenbichler über das Leben als Weltmeister und den neuen Bundestrainer

Mit dem Sommer-Grand-Prix in Wisla (Platz 4 in Team und Einzel) hat am Wochenende auch offiziell Ihr erster Sommer als Dreifach-Weltmeister begonnen. Was hat sich seit den WM-Tagen von Seefeld verändert?

Natürlich haben mich mehr Leute erkannt. Auf der Straße oder beim Einkaufen. Das ist mir ein bisschen unangenehm, ich bin einer, der es eher ruhiger mag. Aber das gehört dazu. Und dann redet man halt mal kurz über das Sportliche, auch wenn man nicht unbedingt mag. Und natürlich ehrt es einen auch, wenn die Leute sagen: Das hat uns sehr gefreut, was du da im Winter gemacht hast, das ist schon auch schön, ganz klar.

Immerhin wurden Sie kürzlich zum bayerischen Sportbotschafter gekürt. Offenbar haben Sie auch abseits der Schanze einiges richtig gemacht.

Ach, ich habe versucht, so zu sein, wie ich bin. Meinen Sport zu machen, den ich gerne mache. Und die Person, die ich bin, die bin ich einfach, dafür brauche ich mich nicht zu schämen. Manche mögen mich, manche mögen mich nicht. Mir ist es wichtig, dass mich meine Familie, meine Eltern, meine Freundin, der große Freundeskreis – dass die mich mögen und dass ich mich da nicht verstellen muss. Und wenn das Leute annehmen und sagen, ja, das ist ein ganz netter Kerl, dann freut mich das natürlich auch.

Der alte Bundestrainer Werner Schuster hatte nach der WM in Seefeld ja gemeint, es werde interessant, was der Sommer der Ehrungen aus Ihnen macht. Was macht er denn, der Sommer?

Darum bin ich eigentlich auch nur zum Bayerischen Sportpreis gegangen und habe sonst ziemlich wenig gemacht. Weil ich das auch nicht so gerne mag, da bin ich ganz ehrlich. Aber von ganz Bayern geehrt zu werden, das ist schon etwas Besonderes, da muss man fast hin. Naja, ich hätte mich gedrückt, wenn es gegangen wäre. Aber es ist leider nicht gegangen. Ich stehe nicht so gerne im Rampenlicht. Ich mache lieber daheim gemütlich meine Sachen, ein Fest mit den Freunden. Da braucht sich der alte Cheftrainer keine Sorgen zu machen. Und wenn er sich Sorgen macht – es ist nicht mehr sein Job. Ich glaube, ich bin alt genug, zu entscheiden, was für mich wichtig ist. Und das ist der Sport. Dem ordne ich alles darum herum unter. Bisher funktioniert das ganz gut. Ich habe mich insgesamt doch ziemlich zurückgehalten mit Medien, Presse und all dem.

Hat es für einen Urlaub gereicht?

Nein, ich habe noch keinen Urlaub gemacht. Das hole ich Anfang August nach, da fahre ich mal für zwei Wochen nach Italien. Bisher war mir wichtiger, die Basis für den nächsten Winter zu legen. Ich will einfach schauen, dass ich besser werde. Daran arbeite ich im Moment sehr hart. Ich genieße auch mein Leben, da bin ich ehrlich. Aber ich trainiere auch sehr fokussiert. Ich hoffe schon, dass sich das im Winter auch auszahlen wird.

Was muss denn bei einem Dreifach-Weltmeister besser werden?

Es muss einfach stabiler werden, und dass die Ausreißer nach unten nicht so gravierend sind. Daran arbeiten wir momentan ziemlich gut. Und da bin ich sehr glücklich darüber, dass es mit dem neuen Cheftrainer (Stefan Horngacher, Anm. d. Red.) extrem gut funktioniert. Deswegen bin ich da sehr entspannt.

Was ist denn neu am neuen Cheftrainer Horngacher?

Er hat einfach eine andere Art. Er ist jetzt nicht so der Medienguru. Er ist eher der, der fürs Menschliche steht und versucht, den Sportler zu verstehen. Aber nicht verkrampft zu verstehen, sondern locker. Er hat einfach das gewisse Feingefühl, das man bei bestimmten Sportlern braucht. Jeder ist anders. Ich bin auch sehr speziell. Wenn ich keine Lust habe, dann habe ich keine Lust. Und da braucht man nicht auf mich einzureden. Da checkt er ziemlich schnell, ’lassen wir ihn besser in Ruhe.’ Das Zwischenmenschliche passt einfach extrem gut bei mir und bei ihm. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Das ganze Trainerteam – ich fühle mich sehr wohl, da ist überhaupt kein Stress. Solche Lehrgänge wie in den letzten Wochen habe ich selten gehabt. Das macht es um einiges angenehmer.

Auch besser?

Die Sprünge sind soweit ganz stabil. Das lässt sich gut an. Aber bei mir ist so viel aufgegangen im letzten Jahr. Ich spüre jetzt überhaupt keinen Druck.

Interview: Patrick Reichelt

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