Paradiesische Zustände

von Redaktion

Bayern-Trainer Niko Kovac kann in der Defensive aus dem Vollen schöpfen

VON JONAS AUSTERMANN

Kansas City – Mit dem dritten und letzten Test auf amerikanischem Boden beendete der FC Bayern am Dienstag gegen den AC Mailand die erste Etappe der Vorbereitung. Im Anschluss an die Rückkehr nach München gibt Trainer Niko Kovac seinem Team zwei Tage frei – dann startet die richtig heiße Phase und damit auch der knallharte Kampf um die Stammplätze.

Während auf einigen Positionen noch deutlich Handlungsbedarf besteht, ist die Personallage in der Innenverteidigung nahezu paradiesisch für den Trainer. Stand jetzt – ein geflügelter Begriff aus dem Kovac-Wortschatz – stehen mit Niklas Süle (23), Lucas Hernández (23), Benjamin Pavard (23), Javi Martinez (30) und Jerome Boateng (30) satte fünf Männer fürs Abwehrzentrum bereit. Und das könnte durchaus auch dann noch so sein, wenn die Bundesligaspielzeit 2019/ 2020 beginnt. Denn Kovac erklärte in Kansas City: „Sollte Jerome bleiben, wovon wir im Moment ausgehen, hat er dieselben Chancen wie jeder andere Spieler auf der Position auch.“ Auf Nachfrage verwies der Kroate darauf, dass Boateng schließlich noch zwei Jahre Vertrag in München habe. Der Weltmeister von 2014 ist bereits am Sonntag von Houston aus nach Deutschland zurückgereist, er muss eine private Angelegenheit regeln. Martinez trainierte nur individuell im Children’s Mercy Park, lief ein paar Runden.

Kovac lobte vor der Partie gegen Milan Benjamin Pavard, der von Absteiger VfB Stuttgart kam. „Man sieht, dass er nicht zu Unrecht Weltmeister geworden ist. Er hat seine Qualitäten auf zwei Positionen, als Innen- und Außenverteidiger“, sagte der Bayern-Coach. Der Mann, der aus fünf Anwärtern zwei auswählen muss, ließ aber den Neuzugang auch wissen: „Wir haben einen großen Kader mit tollen Spielern. Es wird auch auf Benjamins Positionen nicht leicht werden, zu entscheiden, wer wann und wo spielt.“

Eine Stammplatzgarantie klingt anders. Zumal Kovac bereits in Aussicht stellte, zu Saisonbeginn gar nicht erst mit der Rotation anzufangen. Zur Erinnerung: In seinem ersten Bayern-Jahr wechselte er zunächst im großen Stil durch, setzte so das Leistungsprinzip zeitweise außer Kraft.

Und als der Trainer die Rotation (fast komplett) einstellte, kam der Erfolg zurück. Eine weitere schlechte Nachricht für Pavard: Landsmann und Weltmeisterkollege Lucas Hernández könnte laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge womöglich schon zum Bundesligaauftakt gegen Hertha BSC (16. August) wieder einsatzbereit sein. Auch Kovac machte beim 80-Millionen-Einkauf von Atlético Madrid Mut. „Lucas arbeitet sehr engagiert, diszipliniert und fokussiert. Wir sind sehr zuversichtlich, dass er früher zur Mannschaft stoßen kann als geplant“, erklärte er. Die große Summe, die der FC Bayern für Hernández hinblättern musste, sieht Kovac als gutes Zeichen – vorbei sind die Zeiten, in denen nur für Offensivkünstler horrende Preise aufgerufen wurden. „Ich denke, dass die Wertschätzung für Defensivspieler zugenommen hat, und finde das auch gut“, sagte Kovac, einst selbst der Mann fürs Grobe: „Das ist nicht nur bei den Innenverteidigern so, auch bei den Torhütern. Wir können nicht nur mit Angreifern spielen.“

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