Tennis-Stars in der Krise

Schuld sind nicht die Trainer

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Deutsche Tennis-Stars in den Schlagzeilen – aber nicht durch spektakuläre Matches oder Grand-Slam-Siege: Angelique Kerber und Alexander Zverev stehen mit ihren Trainer-Querelen im Fokus. Kerber trennte sich nach nur einem Jahr vom ehemaligen Australian Open-Finalisten Rainer Schüttler und Zverev maulte über die mangelnde Arbeitseinstellung von Ivan Lendl.

Der Job eines Tennis-Trainers auf der Profitour ist skurril. Der Spieler ist Schützling und Arbeitgeber in Personalunion. Er entscheidet über die berufliche Zukunft seines Angestellten (Trainers). Wie kann ein Trainer so unabhängig arbeiten? Wie soll er unbequeme Wahrheiten vermitteln, ohne Angst zu haben, seinen Job zu verlieren? Es gibt wenige Trainer, die so unabhängig sind, dass sie sich ihrem Arbeitgebern widersetzen.

Doch hinter den Trainerdiskussionen bei Zverev und Kerber verbirgt sich in Wahrheit ein viel größeres Dilemma. Beiden Athleten gelingt es nicht, ein Umfeld aufzubauen, das dauerhaft die Grundlage für sportlichen Erfolg gewährleistet. Zverev befindet sich in einem hässlichen juristen Streit mit (Noch)-Manager Patricio Apey und sein „Co-Coach“ Vater Alexander senior versucht, Ivan Lendl unter allen Umständen aus den Weg zu gehen. Angelique Kerber hatte in den letzen drei Jahren vier unterschiedliche Trainer verschlissen und ihr Management zweimal gewechselt.

Um die Bedeutung solcher Faktoren zu verstehen, lohnt ein Blick auf die ganz Großen. Was Roger Federer, Rafael Nadal und Serena Williams eint: ihre einmalige Konstanz im Umfeld. Diese Superstars können sich blind auf ihre Bezugspersonen verlassen. Sie setzen auch bewusst neue Impulse, ihren roten Karrierefaden verlassen sie jedoch nie. Es ist kein Zufall, dass Novak Djokovic kurz nach dem er 2017 sein gesamtes Team feuerte, einen spektakulären sportlichen Absturz erlebte. Erst als er wieder auf sein langjähriges Team um Marian Vajda vertraute, kehrte der Erfolg zurück.

Daher ist es gar nicht entscheidend, wer bei Angelique Kerber auf der Bank sitzt oder wer für Alexander Zverev die Verträge abschließt. Die Aufgaben müssen eindeutig und auf Dauer geregelt sein. Erst dann können diese Ausnahmetalente ihr Potenzial entfalten.

Und unsere Sportstars produzieren auch wieder positive sportliche Schlagzeilen.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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