München – Ein bisschen Spannung muss sein. Und so haben die Basketballer des FC Bayern ihre Fangemeinde eben noch eine Nacht zappeln lassen. „Big News“, große Neuigkeiten, kündigte der Deutsche Meister in den sozialen Netzwerken neben den Umrissen eines bärtigen Mannes an.
Die Bayern hatten nicht zu viel versprochen. Seit gestern ist offiziell: Der nächste Neu-Münchner heißt Greg Monroe. Und das ist schon ein echter Transfer-Hammer, der den deutschen Branchenführer da gelungen ist. NBA-Luft mag in den letzten Jahren ja immer öfter durch die Bundesliga. Doch erstmalig heuert ein Schwergewicht der besten Liga der Welt in der deutschen Eliteklasse an. Ein Mann, der in den letzten neun Spielzeiten (Detroit, Milwaukee, Boston, Toronto, Philadelphia) festes Inventar der NBA gewesen war.
632 Partien hat Monroe auf sein Konto gebracht. Erst in der letzten Saison war der Mann aus New Orleans dabei nicht mehr unumstritten. Vom späteren Champion Toronto Raptors wurde er während der Saison nach Boston und schließlich zu den Philadelphia 76ers weitergereicht. Eine Entwicklung, die den 29-Jährigen sicher empfänglicher gemacht hat für die Ideen des redegewandten Bayern-Sportdirektors Daniele Baiesi.
Klar ist: Die Präsenz unter dem Korb, die den Münchnern im Vorjahr vor allem während der langen Verletzungspause von Devin Booker manchmal fehlte, hat man nun sicher. Auf 2,11 Meter verteilte 120 Kilo bringt der Mann mit, der dem Scherz eines einstigen Mitstudenten den vielsagenden Spitznamen „Moose“ (Elch) verdankt.
Wobei Monroe keineswegs nur für brachiale Gewalt steht. Im Gegenteil. „Greg ist ein hochveranlagter, intelligenter Big Man, der perfekt in das System unseres Coachs Dejan Radonjic passt“, schwärmte Baiesi über Teil zwei seiner Übersee-Einkaufstour. Vor dem Draft 2010 hatten Experten sogar gemutmaßt, der Mann aus Louisiana könnte zu uneigennützig für eine Profikarriere sein. Zumindest bei den Detroit Pistons muss man es anders gesehen haben. Sie wählten Monroe als Nummer sieben aus.
Und das war kein schlechter Gedanke. Ja, für einen klassischen Center reicht Monroe den Ball mit viel Übersicht bemerkenswert oft weiter – durchschnittlich 2,1 Assists hat er in seiner Karriere verteilt. Doch 13,2 Punkte und 8,3 Abpraller lassen erahnen: Der Mann kann auch anders.
Für die Bayern macht es sich immer mehr bezahlt, dass man entschlossen zugriff, als sich Daniele Baiesi im Frühjahr 2017 aus Bamberg verabschiedete. Der Italiener war schon bei den Franken der Architekt der Meisterteams von 2015 bis 2017. Und auch den Münchnern hat er nun die Tür zu einer völlig neuen Spielerkategorie geöffnet.
Dabei ist Baiesi anders als sein Chef und Ex-Nationalspieler Marko Pesic ein Selfmade-Manager. Als Basketballer selbst? Ein Hobbyspieler in den Hinterhöfen von Bologna. „Für mehr war ich zu schlecht“, sagte er einmal. Seine Karriere begann er als Journalist und dann als Pressesprecher des italienischen Erstligisten Pallacanestro Biella. Der Club aus dem Piemont indes erkannte schnell die wahren Qualitäten des heute 43-Jährigen. Die gut genug waren, dass ihn 2009 die Detroit Pistons als Chefscout in die NBA holten. Fünf Jahre hat er dort verbracht und dabei Kontakte geknüpft, die ihm heute natürlich bei Deals wie jenem mit Greg Monroe helfen.