München – „Wenn wir zahlen, zahlt ihr auch“ – das war auf einem Banner der Anhänger des FC Bayern II beim Drittliga-Auftakt in Würzburg zu lesen, nachdem sie in ihrem Block Pyro-Technik abgefackelt hatten. Damit protestierten die Fans erneut dagegen, dass künftig Jahreskarten-Besitzer der Allianz Arena nicht mehr kostenlos Zutritt zum Stehplatzbereich bei Heimspielen der „Amateure“ haben (wir berichteten).
Bereits bei einem Testkick Anfang Juli gegen den österreichischen Klub Wattens forderten die Fans von Bayern II eine Rückkehr zur alten Dauerkarten-Regelung. Um ihre Botschaft zu verdeutlichen, zeigten sie auf einem Plakat Bayern-Präsident Uli Hoeneß an einem Euter hängend und kramten ein legendäres Zitat hervor. „Ich betrachte den Fan nicht als Melkkuh“, war dort zu lesen.
Hoeneß, für den der Aufstieg der zweiten Mannschaft stets eine Herzensangelegenheit war, sei in diese Entscheidung nicht mit einbezogen worden, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge erklärt dazu: „Diese Entscheidung hat Jan-Christan Dreesen, der für Ticket-Angelegenheiten zuständig ist, so gefällt. Ich halte seine Preisgestaltung für sehr human.“ Rummenigge weiter: „Für jedes Drittliga-Spiel müssen Eintrittskarten gekauft und bezahlt werden. Und die Preise, die wir haben, sind mit Abstand die preiswertesten in der ganzen 3. Liga. Ich glaube, man sollte da auch nicht übertreiben. Wir sind interessiert, dass die Fans unsere zweite Mannschaft unterstützen.“
Die treue Unterstützung der Fangemeinde war bei Bayern II lange ein kleiner, aber feiner Bestandteil des Erfolgs. Es scheint, als ob die heile Welt bei den Amateuren derzeit Risse bekommt. Neben der Jahreskarten-Regelung stieß manchen Fans auch die Beförderung von gegen Sebastian Hoeneß zum U 23-Trainer auf. Die Fronten zwischen Fans und Vereinsführung sind angespannt – der Mannschaft kommt das nicht unbedingt zugute
Ausgerechnet in dieser Phase bestreitet das Team sein erstes Heimspiel als Drittliga-Aufsteiger und empfängt heute um 19 Uhr den KFC Uerdingen. Die Amateure hoffen freilich darauf, dass die Fans sie im Duell mit dem Aufstiegsaspiranten trotzdem lautstark unterstützen.
Nach der Auftakt-Pleite in Würzburg sind Punkte heute absolut Pflicht. Im Falle einer erneuten Pleite wird es bei den Amateuren bestimmt nicht ruhiger, an eine Niederlage denken sie ohnehin nicht. „Die Vorfreude ist riesig. Dafür haben wir lange und hart gearbeitet. Jetzt wollen wir uns belohnen und die ersten Punkte einfahren“, erklärte Torjäger Otschi Wriedt. Trainer Sebastian Hoeneß stellte klar: „Wir wollen die ersten Punkte.“