IM BLICKPUNKT

Tour-Aus: Martin hofft umsonst

von Redaktion

Tony Martin trat gefasst vor den Bus, sein Reisekoffer war schon im Teamfahrzeug verstaut, das Rad auf dem Dach befestigt und die Kollegen gerade zur Königsetappe der 106. Tour de France aufgebrochen. „Ich hatte Zeit, mich darauf einzustellen, aber klar hatte ich auch noch Hoffnung auf die kleine Chance, dass dem Einspruch stattgegeben wird. So kurz vor dem Ziel in Paris aus dem Rennen genommen zu werden, ist nicht schön“, sagte der Lausitzer in Embrun, als sein Tour-Ausschluss endgültig feststand. Die Enttäuschung über das harte Urteil der Rennjury des Radsportweltverbandes UCI war fraglos immer noch herauszuhören.

Was war passiert? In der Endphase der 17. Etappe nach Gap hatte sich Martin mit dem Briten Luke Rowe (Team Ineos) eine heftige Auseinandersetzung geliefert. Beide Radprofis überschritten dabei die Grenze des Erlaubten, das gaben sie später zu. Martin rempelte und schnitt Rowe den Weg ab, der Brite nahm die Hand vom Lenker und drückte seinen Arm ins Gesicht des Deutschen. „Wir sind fünf Stunden bei 35 Grad gefahren und waren am Limit. Es tut mir sehr leid, was passiert ist“, sagte Martin, der später Rowe demonstrativ die Hand gab und gemeinsam mit dem Briten in einem Video für Nachsicht warb. Keine Nachsicht hatte Martin am Folgetag mit den Entscheidern. „Ich denke, die Jury wollte ein Exempel an uns statuieren“, sagte er. Ob es eine Disqualifikation auch gegen einen Franzosen gegeben hätte? „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der Fall gewesen wäre.“

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