Das Geräusch, das man dieses Wochenende am Nürburgring, auf Deutschlands berühmtester Autorennstrecke, hören wird, ist: ein Surren und Klacken. Der Sound von Kettenblättern und Shimano-Schaltungen. Der Asphalt gehört den Radfahrern, die ganz schön zu tun haben werden auf den Steigungen der Nordschleife. Mit ein paarhundert PS fliegt man fast über die Kuppen der Eifel, mit ein paarhundert Watt eben nicht.
Die Veranstaltung, deren Höhepunkt ein 24-Stunden-Rennen ist, heißt „Rad am Ring“. Und lehnt sich an ein weiteres Event an: „Rock am Ring“. Das große Open-Air-Rockfestival, ebenfalls etabliert am Nürburgring. „Unsere Rennstrecke“, sagt Alexander Gerhard von der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, „ist an nahezu jedem Wochenende von März bis Ende Oktober ausgelastet. Manchmal finden sogar drei Veranstaltungen parallel statt.“
Der Nürburgring hat gelernt, auch ohne Formel 1 zu überleben und sogar gut zu leben, Alexander Gerhard spricht von „wirtschaftlichem Erfolg und unserer Wahrnehmung als starke Marke“. Voriges Jahr hat man mal wieder verhandelt über eine Rückkehr des großen PS-Zirkus und kam zum nüchternen Schluss: Wäre schön, aber nicht rentabel, da die eigenen Vermarktungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Es gibt ja auch noch anderen Motorsport: die DTM, die ohnehin die deutschen Rennstrecken bespielt, den Truck-Grand-Prix, Ferrari Racing Days und Porsche Sports Cup oder das ADAC-24-Stunden-Rennen. 16 Rennen dieser Art führt der Nürburgring im Kalender, und rund um die VLN Langstreckenmeisterschaft mit zwei Läufen konnte dieses Jahr sogar erstmals geheiratet werden. Acht Termine bot das kooperierende Standesamt Adenau an, sie waren schnell ausgebucht. Auch „Ring am Ring“, wenn man es so nennen will. ist ein Programmpunkt, der hilft, die Anlage Nürburgring mit Leben zu füllen. 200 feste Mitarbeiter hat die GmbH: Buchhaltung, IT, Vertrieb, Marketing, Event-Abteilung, eine eigene Malerei, die Fahr(lehr)er in der Driving Academy. Bei den Events kommen bis zu 1000 Aushilfen dazu.
Klar ist: Mit Rennbetrieb allein könnte sich keiner der permanenten Kurse halten. Das hat der Lausitzring erfahren müssen, der weit davon entfernt war, eine schwarze Null zu schreiben. Die Strecke war darum günstig zu haben, die DEKRA in Stuttgart, neben dem TÜV die bekannteste deutsche Prüfgesellschaft, übernahm ihn. Die reinen Rennen wie die DTM oder Events wie das Tuning-Festival der japanischen Reisbrenner-Autos mit ihren Drift- und „Sexy-Car-Wash-Shows“ laufen so mit (insgesamt an die 90 Tage im Jahr), dafür wird die Strecke an externe Veranstalter vermietet. Doch das große Thema ist nun „Testen und Prüfen“. Die DEKRA hat ein Technology Center eingerichtet, in dem die automobile Zukunft erforscht wird: Autonomes und vernetztes Fahren.
Durchs Fahrsicherheitstraining hat der Lausitzring im vergangenen Jahr 268 Gruppen geschleust, auch der Sachsenring, bei dem der ADAC mitspielt, generiert durch sein ganzjähriges Angebot in diesem Bereich die Einnahmen, die er braucht, weil der reine Motorsportbetrieb eingeschränkt ist. Die legendäre Motorradstrecke hätte ja durchaus Anfragen – muss aus Lärmschutzgründen aber fast alles ablehnen. So bleibt es bei überschaubaren zehn Motorsporttagen.
Kürzlich aber schlug – auch ohne Motoren – die Stunde des Sachsenrings. Vor der Tour de France mussten noch die Deutschen Straßenrad-Meisterschaften stattfinden. Es fand sich keine Stadt, die das übernehmen wollte, Hohenstein-Ernstthal sprang ein. Die Radprofis freuten sich über gepflegten und entsprechend schnellen Rennasphalt.
Während die Elite-Radler vor leeren Tribünen strampelten, ist es bei Motorsportveranstaltungen in Deutschland oft voll. Der satte Sound der Boliden findet immer noch sein Publikum – auch in Zeiten einer sich wandelnden Mobilität und einer größeren Sensibilisierung in Klimafragen.
Am Lausitzring stehen plakativ ein paar Windräder – aber eher zufällig, sie haben mit der Motorsportanlage nichts zu tun. Am Nürburgring wurde kürzlich die Beleuchtung im Parkhaus auf Energiesparlampen umgerüstet, und es gibt einen wissenschaftlichen Verein, die Nürburgring-Akademie, die mit einigen Hochschulen in Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zusammenarbeitet. Der Praxis-Erfolg im Jahr 2019: Nach einem 24-Stunden-Rennen wurden die Zehntausenden von Campern gebeten, selbst aufzuräumen. Das gelang: Bilder zeigen am Tag danach Wiesen ohne Rückstände.
E-Rennen haben an den klassischen Rennstrecken noch nicht stattgefunden. Die hochgepriesene Formel E mit zwölf Stationen zieht es in die Städte, in Deutschland ist Berlin die auserwählte Metropole. Auf dem Vorfeld des ehemaligen Stadtflughafens Tempelhof mit seinen Start- und Landebahnen lässt sich unkompliziert ein Rennkurs layouten.
Gint´s eine Zukunft? Unter Umständen. Wenn Tempelhof denn erhalten bleibt. Berlin benötigt Wohnraum, es ist im Gespräch, die freie Fläche zu bebauen.