Lendl trennt sich von Zverev

Ende eines Missverständnisses

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Die Trennung kam mit einem krachenden Return aus den USA: Ivan Lendl ließ dort verlauten, dass seine Arbeitsweise und die von Alexander Zverev nicht kompatibel seien. Heißt konkret: „Super-Coach“ Lendl und Deutschlands große Tennis-Hoffnung gehen ab sofort getrennte Wege.

Die Schärfe in den Formulierungen auf beiden Seiten zeigt aber, wie zerrüttet das Verhältnis wirklich ist. Spätestens nach Zverevs Frontalangriff vor dem Turnier in Hamburg gab es für das Duo keine Zukunft: Der gebürtige Hamburger hatte seinem Trainer, ehemaliger Weltranglisten-Erster und achtfacher Grand-Slam-Champion, mangelnden Arbeitseifer und Faulheit unterstellt.

Süffisant merkte der 22-Jährige an, Lendl beschäftige sich intensiver mit Golf und seinem neuen Hündchen als mit Zverevs schwächelndem zweiten Aufschlag. Wollte Lendl auch nur mit einem Funken Stolz aus der Angelegenheit kommen, musste er Konsequenzen ziehen: Die zog er: Lendl beendete die Liaison mit dem Deutschen nach nicht mal einem Jahr.

Vater Alexander ist wieder alleine für die aktuelle Nummer fünf der Welt verantwortlich. Nach einem sportlich bisher enttäuschenden Jahr steht der ATP-Weltmeister von 2018 am Scheideweg. Ist er mit dem Status quo zufrieden oder ist er bereit für den nächsten (vermutlich letzten) Schritt, der ihn vom Tennis-Thron trennt?

Die Situation erinnert stark an die Geschichte von Andy Murray: Der eigenwillige Brite stagnierte ebenfalls kurz vor den ganz großen Triumphen. Er schien nicht in die Phalanx von Federer-Nadal-Djokovic einbrechen zu können. 2012 verpflichtete Murray daher Lendl als Trainer.

Mit dem gebürtigen Tschechen an seiner Seite gewann Murray zwei olympische Goldmedaillen und drei Grand-Slam-Turniere. Auch zwischen Murray und Lendl knirschte es menschlich. Der stoische Lendl ist ohne Zweifel kein einfacher Charakter. Doch für die Sache ordnete sich Murray unter. Und das ungleiche Paar Murray-Lendl feierte viele spektakuläre Erfolge.

So weit ist Zverev (noch) nicht. Wird es unbequem, flüchtet er sich in den wärmenden Schoß der Familie. Ist er nicht bereit, seinen Kokon der Schulterklopfer für den letzten Schritt endgültig zu durchbrechen, wird er das große Versprechen des deutschen Tennis bleiben.

Aber nicht mehr.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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