Gwangju – Kein Foto mit dem Sieger, keine Medaille? Nach dem aufsehenerregenden Protesten von Mack Horton und Duncan Scott bei der Schwimm-WM im südkoreanischen Gwangju gegen den Dopingsünder Sun Yang hat der Weltverband FINA die Regeln verschärft. Sollten Athleten künftig bei Siegerehrungen den Gang aufs Podest oder das gemeinsame Medaillen-Foto verweigern, drohen ihnen härtere Strafen.
„Wir wollen uns um Sport kümmern, nicht um Politik“, sagte FINA-Generaldirektor Cornel Marculescu. Eine neue Klausel in den Richtlinien für FINA-Wettbewerbe verlangt von Medaillengewinnern, „aktiv am gesamten Ablauf des Wettbewerbs inklusive der Siegerehrung teilzunehmen“. Diese ist verbunden mit der Warnung, dass sie ihre Medaillen zurückgeben müssten oder gesperrt werden könnten, wenn sie dagegen verstoßen sollten.
„Sie sollen strikt jedes anstößige und unangemessene Verhalten gegenüber den Offiziellen, den Konkurrenten, den Mannschaftskollegen und/oder den Zuschauern während des gesamten Ablaufs des Wettbewerbs vermeiden“, heißt es in der neuen Klausel weiter.
Der Australier Horton und der Brite Scott hatten nach den Rennen über 400 und 200 m Freistil dem chinesischen Sieger Sun den Handschlag und das gemeinsame Foto der Medaillengewinner verweigert. Horton blieb demonstrativ hinter dem Podest stehen, den drittplatzierten Scott brüllte Sun auf dem Podium an. Alle drei verwarnte die FINA.
Ob der Weltverband mit dieser Aktion die Wogen glätten kann, ist zweifelhaft. Schon die Verwarnungen gegen Horton und Scott waren bei den meisten Kollegen auf wenig Verständnis gestoßen. Suns WM-Start ist höchst umstritten, weil der Dopingsünder von 2014 in eine neue Affäre verwickelt ist. Nach der WM droht ihm vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine nachträgliche Sperre. Einer seiner Gefolgsleute soll im Vorjahr eine Dopingprobe mit dem Hammer zerstört haben. sid