Klinsmann-Debatte beim VfB

Ideen-Input – oder lieber Backwaren?

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Unser Besuch – damals zu Recherchezwecken – fand zwar schon im Jahr 2006 statt, kurz vor der WM, doch der 13 Jahre alte Eindruck wird bestätigt durch das, was man in aktuellen Google-Rezensionen liest: 4,7 von 5 möglichen Sternen für die „Bäckerei Klinsmann“ in der Eltinger Straße in Stuttgart. „Die besten Flachswickel der Stadt“, „Gute Dinkelprodukte und tolle süße Stückle“. Jedenfalls: Wir spüren sie gleich wieder, diese spezielle Verbindung, die der Bäckerssohn (und ausgebildete Bäcker) Jürgen Klinsmann und Stuttgart haben – und darum wundert es nicht, dass die Beziehung nun wohl intensiviert wird. Jürgen Klinsmann, dessen Familie noch immer ihre wunderbar altertümliche Bäckerei betreibt (ohne Buddhas und mit Filter- statt Starbucks-Kaffee), und der VfB scheinen zueinander zu finden.

Was ja irgendwie verständlich erscheint. Da ist die eine Seite (der VfB) in Not geraten (Abstieg in die 2. Liga) und sucht nach starkem Halt. Meist durch jemandem, der sich schon einmal bewährt hat. Jürgen Klinsmann war ein dem VfB Stuttgart überaus dienlicher Spieler. Was aber auch schon dreißig Jahre her ist. Seine Karriere in anderen Funktionen danach wirkt unvollendet: Als Bundestrainer erwarb er sich große Verdienste (WM 2006), war aber früh ausgebrannt, als Trainer des FC Bayern überfordert, als US-Coach geriet er irgendwann in die Stagnation. Zuletzt war er TV-Experte bei RTL – womit ein Projektmensch wie Klinsmann nicht ausgelastet ist. Liegt also nahe, ein vakantes Amt wie das des Vorstandsvorsitzenden der VfB Stuttgart AG anzustreben. Ein Kennenlerntreffen hat bereits stattgefunden.

Dennoch sei die Schwaben-Frage gestellt: Braucht’s des? Der VfB wirkt ja nicht so schlecht aufgestellt. Er hat den klugen Thomas Hitzlsperger und den versponnenen, aber genialen Sven Mislintat in der Verantwortung stehen. Er hat in Tim Walter einen selbstbewussten Trainer. Der Verein ist umgeben von meinungsstarken Altvorderen, die in Hermann Ohlicher einen Vertreter im Aufsichtsrat sitzen haben. Die Lehre aus der Vergangenheit sollte sein, den handelnden Personen Freiraum zu gewähren. Der VfB braucht nicht zwingend weiteren Ideen-Input von oben.

Aber die Bäckerei Klinsmann als Caterer für Team-Meetings – und der Wiederaufstieg wäre Formsache.

Günter Klein@ovb.net

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