München – Niko Kovac hatte womöglich geahnt, dass der ersten Saison-Auftritt seiner Mannschaft in der Allianz Arna kein richtiger Härtetest werden würde. Der Trainer des FC Bayern hatte sich ausnahmsweise im Trainingsanzug an die Seitenlinie gestellt – und für den deutschen Rekordmeister war das Duell am ersten Tag des Audi Cups auch nicht mehr als ein Übungsspielchen. 6:1 (5:0) besiegten die Münchner gestern Abend locker leicht die überforderte Mannschaft von Fenerbahce Istanbul. Sie dürfen heute (20.30 Uhr, live im ZDF) um den Sieg beim Sponsorenturniers gegen Tottenham Hotspur spielen. Die Engländer hatten in der ersten Partie des Tages das kriselnde Real Madrid 1:0 bezwungen.
Auf das fitte neue Personal des FC Bayern warteten die Fans bei diesem ersten Heimauftritt des Double-Siegers die Zuschauer zunächst vergeblich. Kovac schickte statt Benjamin Pavard doch erst einmal Jerome Boateng in die Innenverteidigung – und auch Jann-Fiete Arp begann die Partie gegen die Mannschaft aus der türkischen Metropole auf der Ersatzbank. Rekordtransfer Lucas Hernandez befand sich gar nicht nicht im Kader – der Franzose befindet sich ja noch im Aufbautraining. Neben Pavard fand sich etwas überraschend auch Thomas Müller auf der Bank. Kovac setzt im offensive Mittelfeld auf Leon Goretzka und Renato Sanches, der seine Wechselpläne aufgab, weil ihm die Münchner mehr Einsatzzeit in Aussicht stellten.
Fenerbahce schaffte es in der Anfangsphase ein paarmal, die Münchner zu fordern. Die Mannschaft vom Bosporus, sorgte für den ersten kleinen Aufreger der Partie, als der Neu-Istanbuler Max Kruse – neben Mehmet Ekici der zweite ehemalige Bundesliga-Spieler in der Startelf – aus spitzem Winkel abzog. Der Ball landete aber hinter dem Tor (5. Minute).
Allerdings war dies schon fast das Beste, was Fenerbahce bot. Die Münchner agierten nun immer spielfreudiger und setzten sich in der gegnerischen Hälfte fest. Bald zeigte sich, dass die Türken dem Rekordmeister nicht gewachsen sind. Sanches eröffnete den Torreigen mit dem 1:0 in der 22. Minute nach Zuspiel von Robert Lewandowski. Es folgte Goretzkas 2:0, nachdem Kingsley Coman gleich zwei Verteidiger von Fenerbahce ausgespielt hatte. Für den dritten Münchner Treffer sorgte Müller (31.), der bereits nach 20 Minuten für den angeschlagenen Serge Gnabry ins Spiel gekommen war. Dieses Mal hatte sich der ebenfalls eingewechselte Dirar den Ball einfach vom Münchner im Strafraum klauen lassen. Coman krönte seine engagierte Leistung mit dem 4:0 (40.) – und noch vor der Pause erhöhte noch einmal Müller per Foulelfmeter auf 5:0 (44.). Mauricio Isla hatte Lewandowski gefoult.
Ehe Kovac nach und nach die gesamte Ersatzbank einwechselte, sorgte Müller mit seinem dritten Treffer für das 6:0 (58.) – ein feiner Heber aus gut 30 Metern über den herausgeeilten türkischen Keeper Tekin Harum. Anschließend kam in Pavard der erste Neuzugang ins Spiel – und er war auch gleich am nächsten Tor beteiligt, dem ersten für Fenerbahce. Der Franzose begleitete Kruse nur, statt ihn zu stören, und der Ex-Bremer nutzte diese Chance zum 1:6. (64.).
Schließlich durfte auch noch Arp auf den Platz (für Lewandowski), aber Akzente konnte der Ex-Hamburger keine mehr setzen. Nach den vielen Wechseln ging der Spielfluss etwas verloren. Der FC Bayern hatte die Arbeit ja bereits in den ersten 60 Minuten erledigt.