München – Den ersten Titel der Saison hat der FC Bayern verpasst, aber die 7:8-Niederlage nach Elfmeterschießen im Sponsorenturnier gegen Tottenham Hotspur ist zu verschmerzen. Der Audi Cup in der Allianz Arena war für den deutschen Rekordmeister nur eine Aufwärmübung für das bedeutend wichtigere Spiel am Samstag, das Duell im Supercup mit Borussia Dortmund, bei dem es vor allem ums Prestige geht.
Im Elfmeterschießen hatte gestern Abend zunächst David Alaba gepatzte, aber weil Sven Ulreich anschließend gegen Christian Eriksen parierte, durften die Münchner noch hoffen. Thiago, Müller, Sanches, Lewandowski und Singh trafen, ehe Boateng den entscheiden Elfmeter verschoss. Die Partie gegen die Engländer war so wenig aussagekräftig wie der hohe Sieg einen Tag zuvor gegen Fenerbahce – dafür gab es zu viele Wechsel auf beiden Seiten.
Von jener Mannschaft, die am Dienstag in der ersten Hälfte Fenerbahce an die Wand gespielt hatte, standen gegen Tottenham lediglich Torhüter Manuel Neuer und Innenverteidiger Niklas Süle erneut in der Startelf. Und weil der derzeit nur mit 16 Mann bestückte Kader nicht reichte, um die anderen neun Plätze mit jenen Profis aufzufüllen, die einen Tag zuvor eingewechselt worden waren, entschied sich Trainer Niko Kovac für eine mit Routiniers verstärkte Nachwuchsmannschaft.
Aber auch Kovac’ Kollege Mauricio Pochettin verzichtete in dieses Finale zunächst auf ein paar Stammkräfte. So saßen unter anderem Englands Top-Stürmer Harry Kane, Ex-Bundesliga-Profi Son und auch Toby Alderweireld auf der Bank. Allerdings standen fast ausnahmslos Profis mit reichlich Premier-League-Erfahrung auf dem Platz.
Für den Münchner Nachwuchs war es ein schönes Erlebnis, sich mit dem Champions-League-Finalisten messen zu dürfen – und die jungen Spieler zogen sich dabei achtbar aus der Affäre. Die ersten Minuten gehörten freilich den Engländern, die sich in der gegnerischen Hälfte festsetzten und sich durch Erik Lamela sowie Lucas Moura zwei gute Chancen erspielten. Einmal klärte Alphonso Davies noch zur Ecke (4.), das zweite Mal parierte Manuel Neuer den Kopfball (8.).
Als sich Bayern etwas befreit, das Spiel weiter die andere Hälfte verlagert hatten, schlug Tottenham doch noch zu. Georges Nokoudou sprintete auf der linken Seite unbedrängt durch das Mittelfeld, spielte auf Höhe der Strafraummitte quer an den langen Pfosten, wo Lamela vor Davies an den Ball kam und aus kurzer Distanz zum 1:0 einschoss (19.).
Es war aber keineswegs der Beginn einer neuen Tottenham-Offensive, im Gegenteil, die junge Bayern-Mannschaft konnte die Partie bis zur Pause offen gestalten, ließ hinten keine große Chance mehr zu, sondern hätte durch Sarpreet Singh beinahe noch den Ausgleich erzielt (42.).
Kovac ersetzte nach Wiederanpfiff zunächst nur Süle durch Jerome Boateng und wie am Dienstag Neuer durch Sven Ulreich – außerdem wechselte in der Abteilung „Jugend forscht“ brachte Marcel für Will. Nach einer knappen Stunde erhöhte Christian Eriksen auf 2:0 (59.). Aber die Münchner gaben sich noch nicht geschlagen, Jann-Fiete Arp gelang zwei Minuten später der Anschlusstreffer (61.)
Als dann fast alle Stamm-Bayern wieder auf dem Platz waren – und Coman fünf Minuten nach seiner Einwechslung angeschlagen schon wieder draußen – gelang Davies mit einem strammen Rechtsschuss das 2:2 (82.). Dabei blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit. Die Entscheidung fiel im Elferschießen – zugunsten Tottenham.