„Ich kann 2020 Weltmeister werden“

von Redaktion

Formel-1-Pilot Max Verstappen über berühmte Väter, frühen Ruhm und Rivale Sebastian Vettel

Herr Verstappen, Deutschland scheint ihnen Glück zu bringen. Beide Siege in dieser Saison gelangen Ihnen in deutschsprachigen Ländern, in Österreich und Hockenheim. Aber Hand aufs Herz: Wie sieht man Deutschland als Niederländer? Eher als Freund oder eher als Feind?

(lacht) Bei mir ist beides der Fall. Beim Fußball ganz klar Feind. Aber sonst ganz klar Freund. Das fängt schon damit an, dass ich eine deutsche Freundin aus München habe.

Ist man als holländischer Junge schon erzogen wurden, dass im Fußball Deutschland der Feind ist?

Irgendwie schon. Aber ich war ja auf einer Schule in Belgien, die sowohl in der Nähe von Deutschland als auch in der Nähe von Holland lag. Da wurde man von beiden Seiten geprägt.

Warum sprechen Sie so gut deutsch. Nahezu perfekt…

…in der Schule hatte ich das nie. Mein Vater hat aber schon ganz früh mit mir angefangen, Deutsch zu sprechen. Hauptsächlich auf den Gokart-Strecken. Er wollte das so, um einen Ausgleich zu den Gesprächen zuhause zu haben. Dort wurde nur holländisch geredet. Meine holländischen Freunde haben einen Dialekt gesprochen, der sehr ins Deutsche ging. Deshalb konnte ich Deutsch relativ schnell verstehen und auch sprechen.

Sind Sie in Deutschland auch oft Kart gefahren?

Ja, natürlich. Feuerbach-Hahn, ich glaube die Strecke gibt es aber nicht mehr. Dann in Ampfing und natürlich viel in Kerpen, der Heimat von Michael (Schumacher, die Red.).

Sie haben es ja gerade erwähnt: Sie sind ja schon früh als Kind zusammen mit Ihrem Vater und Michael Schumacher Kart gefahren. Wussten Sie damals schon, welche Bedeutung Michael Schumacher in der Motorsportgeschichte hat?

Nein, ich war ja damals drei oder vielleicht vier Jahre alt. Ich wusste nur, das ist der Onkel Michael. Der sehr nett war. Der ein extrem großer Familienmensch war. Aber ich sah ihn nie als Rekordweltmeister an, das war mir nicht bewusst. Das sieht man auch auf den alten Fotos und Videos, die wir zuhause haben. Immer war Mick mit dabei oder Gina-Maria. Es war eine tolle Familienatmosphäre. Ich habe auch heute noch positive Erinnerungen an diese Wochenenden.

Haben Sie dennoch gespürt, dass da einer ist, der es besonders gut kann?

Nein, weil wir ja nur Spaß haben wollten. Wir fuhren immer mit Zweisitzern. Er mit Mick oder Gina, mein Vater mit mir.

Wer hat gelenkt und Gas gegeben?

Wir auch schon. Aber wenn es zu gefährlich wurde, haben die Väter ganz schnell übernommen.

Sie kennen ja Mick schon sehr lange. Sie haben ja auch das gleiche Alter.

Ja, nur damals konnte ich noch kein Deutsch. Ich habe keine Ahnung, wie wir da geredet haben. Aber zwei Dreijährige haben glaube ich nie ein Problem zu kommunizieren, selbst wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen.

Sie haben einen ähnlichen Werdegang. Beides seid Ihr die Söhne von zwei ehemaligen Formel-1-Piloten. Ist es leichter, so einen berühmten Vater zu haben, oder doch schwerer, um im Rennsport Fuß zu fassen?

Wenn alles gut geht, ist es einfach. Wenn es aber nicht rund läuft, dann nicht. Für Mick ist es noch mal anders als bei mir. Sein Vater ist der Rekordweltmeister, mit sieben Weltmeisterschaften. Das ist erst mal eine schwierige Ausgangsposition. Schon zu seinen Kartzeiten war immer Presse um ihn herum. In der Formel 4, Formel 3 und jetzt wurde der Rummel noch größer. Aber er hat ein gutes Umfeld, gute Menschen, die sich kümmern. Die machen das sehr gut.

Zurück zu Ihnen: Bei Red-Bull fahren Sie im Moment in einem englisch-österreichischen Team. Können Sie damit Ihr Ziel verwirklichen, jüngster Weltmeister aller Zeiten zu werden?

Ich habe dafür noch ein Jahr Zeit. Aber es müsste nächstes Jahr passieren, denn dieses Jahr ist Mercedes zu dominant.

Müssen Sie zu Mercedes wechseln, um es schaffen?

Ich muss dazu mal was sagen: Schon als ich jung war, habe ich nie gedacht, ich muss unbedingt mal Ferrari fahren. Ich wollte schon immer im schnellsten Auto sitzen. Egal, ob Ferrari, Mercedes oder Red Bull. Ich glaube aber, ja, ich kann das nächstes Jahr mit Red Bull schaffen.

Wie sicher können Sie sein, dass es Red Bull packen kann?

Hundertprozentig sicher kann man sich nie sein. Auch Mercedes kann nie ganz sicher sein, ob sie auch nächstes Jahr wieder dominieren können. Sie sind immer gut, ja, aber überlegen? Denn keiner weiß heute, wer im nächsten Winter die beste Arbeit leistet. Aber wir haben zusammen mit Honda dieses Jahr schon gute Schritte gemacht. Das stimmt mich doch optimistisch für nächstes Jahr.

Sollten es Ihnen gelingen, dann würden Sie mit Sebastian Vettel einen Deutschen als jüngsten Weltmeister aller Zeiten ablösen. Was denken Sie über Vettel als Fahrer und als Mensch? Gerade nachdem er Ihnen in Silverstone ins Auto gerauscht ist.

Er ist ein super Fahrer und sehr netter Mensch. Ich habe mich für ihn sehr gefreut, dass ihm bei seinem Heim-GP in Hockenheim ein so grandioses Rennen gelungen ist. Ich glaube aber dennoch, dass er im Moment nicht sehr happy ist. Und das ist ein großes Problem. Er braucht ein Team, das voll hinter ihm steht. Das war für ihn bei Red Bull der Fall, bei Ferrari wohl nicht. Ich mag Sebastian sehr gerne, er ist ein sehr netter Kerl. Auch nach dem Vorfall in Silverstone kam er zu mir und hat sich sofort entschuldigt. Ich war natürlich nicht happy, aber das ist ganz normal. Das war er vor einem Jahr in China auch nicht, als ich ihm hinten rein gefahren bin. Manchmal passiert so etwas halt.

Heißt das, dass er für Sie immer noch einer besten Piloten in der Formel 1 ist?

Ja, absolut. Er ist nicht umsonst vierfacher Weltmeister geworden. Die Fehler kommen nicht daher, weil er nicht mehr gut genug mehr ist. Nochmal: Ich glaube es liegt am Team.

Brauchen Sie auch eher ein fürsorgliches Team?

Ich bin nicht ganz so. Aber fest steht: Je mehr das Team zu dir steht, desto besser ist es.

Interview: Ralf Bach

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