Münchner Schweigegebot

von Redaktion

FC Bayern sagt zu Sané nichts mehr – Kovac entschuldigt sich bei Guardiola

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Hasan Salihamidzic presst die Oberlippe und die Unterlippe fest aufeinander und reibt sie gegeneinander. Der Sportdirektor des FC Bayern macht dies immer, wenn er ein paar Sekunden Zeit gewinnen will, weil er nicht sagen kann oder sagen soll, was Sache ist. Er steht am Dienstagabend in der Mixed Zone der Allianz Arena und windet sich bei den Fragen zu dem Thema, das beim Rekordmeister in diesem Sommer mit wenigen Ausnahmen alles andere überlagert. Zu Leroy Sané darf aber nun gar nichts mehr gesagt werden, von niemanden beim FC Bayern.

Dies hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor dem ersten Spiel der Münchner im Rahmen des Audi Cups gegen Fenerbahce Istanbul (6:1) deutlich im Fernsehen kundgetan – und damit auch seinen Cheftrainer zurechtgewiesen, weil der zwei Tage zuvor öffentlich die Verpflichtung des Flügelspielers von Manchester City in Aussicht gestellt hatte. „Mir haben seine Aussagen nicht gefallen“, sagte der Vereinschef Richtung Niko Kovac.

Es muss intern eine sehr unmissverständliche Anweisung gewesen sein, jedenfalls vermied Salihamidzic sogar, den Namen Sané in den Mund zu nehmen. „Wir sind alle gut beraten, wenn wir nicht mehr über Spieler sprechen, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen. Wir werden das in Zukunft nicht mehr tun“, ließ er wissen, nachdem er ausgiebig die Lippen aufeinandergepresst hatte. Auch die Bayern-Profis hielten sich daran. Wenn sich der Trainer nicht dazu äußern dürfe, „sollte ich lieber auch nichts sagen“, ließ Leon Goretzka wissen.

Kovac hatte sich zuvor für sein forsches Interview entschuldigt, nach eigener Aussage sogar telefonisch bei City-Trainer Pep Guardiola. „Ich bin ein bisschen zu offensiv geworden“, gab der Bayern-Coach zu – und versprach, er werde sich in Zukunft „zurückhalten“.

Dass der Mann, der in der vergangenen Saison mit Demütigungen von oben stets souverän und keineswegs devot umgegangen war, dieses Mal fast zu Kreuze kroch, wirkte ein wenig irritierend. Das Verhalten lässt die Vermutung zu, dass der FC Bayern Sorge hat, Manchester City könnte aus Unmut über die Äußerungen aus München, die Transferverhandlungen erst gar nicht aufnehmen. Gut möglich, dass eine entsprechende Ansage von der Insel die Bayern erreichte – und die Münchner mit ihrem Maulkorb sich so respektvoll geben, wie es Manchester City erwartet.

Der Rüffel von Rummenigge nährt aber auch eine andere Spekulation: die dass das Verhältnis zwischen dem Trainer und dem Vorstandsboss weiter getrübt ist – trotz des Double-Gewinns am Ende der vergangenen Saison. Eine Diskussion, die vor allem Kovac nicht gelegen kommt. Deshalb war er bemüht. Harmonie zu demonstrieren. „Da wird wieder was hineininterpretiert. Sie dürfen mir glauben: Es ist alles wunderbar“, sagte er am späten Dienstagabend. Kovac ließ wissen, er habe „mit Karl-Heinz Rummenigge gerade noch in der Kabine gesprochen „Da war kein Zorn, nichts.“

Zumindest sportlich gab es dafür am ersten Tag des Sponsorenturniers auch keinen Grund. Die Münchner boten einen überzeugenden Auftritt gegen ein allerdings sehr schwaches Fenerbahce-Team. Dass der Sieg mit fünf Bayern-Toren in der ersten Hälfte nur wenig Rückschlüsse auf die Form vor dem großen Supercup-Prestigeduell mit Dortmund am Samstag gibt, will Thomas Müller nicht gelten lassen. „Wenn wir verloren hätten, wäre es ein Gradmesser gewesen“, sagte er. „Also ist es einer“. Ein ganz kleiner vielleicht.

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