Schwerer Rückschlag für Semenya

von Redaktion

Schweizer Gericht kippt die Aufhebung der Testosteron-Regel – WM-Start gefährdet

München – Aufgeben? Nach fast zehn Jahren Kampf für ihre Rechte, all den Entbehrungen, Qualen und Angriffen auf ihre Würde? Kommt für Caster Semenya natürlich überhaupt nicht infrage. Ein „entschlossener Geist ist nicht aufzuhalten“, schrieb die Südafrikanerin in den Sozialen Netzwerken. Die Botschaft an die Welt – und vor allem an den Weltverband IAAF – ist klar: Ich lasse mich nicht brechen.

Lange, sehr lange muss die zweimalige Olympiasiegerin Semenya jetzt schon für ihren Traum kämpfen. Laufen, schnell laufen – und zwar als Frau. Und nun hat die 28-Jährige auf ihrem Weg den nächsten schweren juristischen Rückschlag hinnehmen müssen.

Das Schweizer Bundesgericht nahm die provisorische Aufhebung der umstrittenen Testosteron-Regel für die Starläuferin wieder zurück. Damit müsste Semenya ihren Testosteron-Spiegel mit Medikamenten künstlich senken, um über ihre Paradestrecke 800 m laufen zu dürfen. Doch dies lehnt sie nach schlechten Erfahrungen strikt ab, also wird die WM in Doha (27. September bis 6. Oktober) wohl ohne eines der bekanntesten Gesichter der Leichtathletik stattfinden.

Doch für Semenya geht es in dieser Saga, die vor knapp zehn Jahren bei der WM in Berlin begann, längst um mehr. Die jüngste Entscheidung werde sie „nicht davon abhalten, meinen Kampf für die Menschenrechte aller betroffenen Sportlerinnen fortzusetzen“, sagte Semenya.

Die IAAF reagierte erleichtert auf die Nachrichten aus Lausanne. Die Anordnung schaffe „die notwendige Gleichheit und Klarheit für alle Athletinnen“, die sich auf die Titelkämpfe vorbereiten, hieß es in einer Mitteilung.

Über Semenyas grundsätzliche Beschwerde gegen die Rechtmäßigkeit der umstrittenen Testosteron-Regel hat das Bundesgericht noch nicht entschieden, es wird erwartet, dass dies einige Monate dauern wird. Semenya ist jedenfalls entschlossen, bis zum Schluss zu kämpfen.

Semenya, die über 800 m seit knapp vier Jahren unbesiegt ist, war vor das Bundesgericht gezogen, weil der Sportgerichtshof CAS die Regel Anfang Mai zwar als „diskriminierend“, aber als „notwendig“ bezeichnet hatte, um einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Medikamente zu schlucken, um ihren Testosteronwert zu senken – wie sie es bereits unter einer anderen Regel zwischen 2011 und 2015 hatte machen müssen – will Semenya aber auf keinen Fall noch einmal.

Damals habe sie Fieber bekommen, ihr war übel und der Unterleib schmerzte, wie Semenya in der Verhandlung vor dem CAS zu Protokoll gab. Sie werde „nicht zulassen, dass die IAAF mich und meinen Körper wieder benutzt“, sagte sie.   sid

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