München – Bei Männern hat Angelique Kerber zuletzt kein glückliches Händchen bewiesen: Allein in den vergangenen drei Jahren waren vier unterschiedliche Trainer an ihrer Seite. Torben Beltz, Benjamin Ebrahimzadeh, Wim Fisette und zuletzt Rainer Schüttler.
Vom ehemaligen Australian Open-Finalisten Schüttler trennte sich die aktuelle Nummer elf der Welt nach ihren frühen Aus in Wimbledon. Im Londoner Stadtteil warf nicht nur die Niederlage gegen die Qualifikantin Lauren Davis, sondern vor allem ihr blutleerer Auftritt Fragen zur Beziehung zwischen Spielerin und Trainer auf.
Nun will die deutsche Top-Spielerin die Verpflichtung eines neuen Trainers in Ruhe angehen und sich nicht von ständigen Nachfragen unter Druck setzen lassen. Vor dem Start ihrer Hartplatz-Saison gab die 31-Jährige ihre ganz persönliche Stellenanzeige auf: „Er muss viel Erfahrung mitbringen, er muss die richtige Ansprache mitbringen, die Leidenschaft, das Commitment, die gleiche Sprache sprechen wie ich“, so Kerber, die nächste Woche bei dem WTA-Turnier in Montreal aufschlägt.
Sie wolle sich auch nicht festlegen, ob sie einen Mann oder eine Frau bevorzuge. Allerdings schloss sie aus, Boris Becker als Trainer zu verpflichten: „Ich glaube nicht, dass das meine Lösung ist“, erklärte Kerber in Richtung des dreimaligen Wimbledon-Siegers und Ex-Coach von Novak Djokovic.
Gegen Boris Becker sprechen zudem Erfahrungen, die bisherige Kerber-Trainer mit ihrer Arbeitgeberin gemacht haben. Nach Informationen unserer Zeitung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu finanziellen Spannungen zwischen der Deutschen und ihrem Personal.
So soll die überraschende Trennung im letzten Jahr vom belgischen Erfolgscoach Wim Fissette in erster Linie aus finanziellen Gründen vollzogen worden sein. Man konnte sich nicht über zukünftige Honorare einigen. Immer wieder ist das Wort „geizig“ zu hören, sobald man in der Tennis-Szene auf Angelique Kerber zu sprechen kommt. Und Boris Becker wäre mit Sicherheit keine „geizige“ Lösung – egal wer mit dem gebürtigen Leimener zusammen arbeitet.
Für welche Variante sich Kerber auch entscheidet: Es ist wahrscheinlich ihre letzte Chance, für Konstanz auf der wichtigsten Position in ihrem sportlichen Umfeld zu sorgen.
Langfristig hat sie bisher nur mit dem gebürtigen Itzehoer Torben Beltz zusammen gearbeitet. Beide kennen sich bereits aus Kerbers Jugendtagen. Beltz überzeugte Kerber weiterzumachen, als sie 2011 den Schläger an den Nagel hängen wollte. Um mit Beltz zusammen arbeiten zu können, beendete Kerber sogar die Zusammenarbeit mit Vater Slawomir, der sie von Kindestagen an auf ihrem Weg zur Profi-Karriere begleitet hat.
Heute hat Kerber zu ihrem Vater, selbst einst polnischer Tennis-Jugendmeister, keinen Kontakt mehr. Besonders nach der Scheidung der Eltern kam es zum Bruch mit ihrem Vater. Kerber entschied sich für Mutter Beata. Nach der sportlichen Trennung vom Vater folgte die sportliche. „Man muss sich unterordnen und seine Rolle als Trainingsplatz-Bucher oder Balleinwerfer akzeptieren“, sagt ein ehemaliger enger Mitarbeiter im Kerber-Team unserer Zeitung.
Diese Kriterien ihres Anforderungsprofil hat Angelique Kerber bei ihrer Personalsuche nicht erwähnt.