Kovac versus Rummenigge

Zum Siegen verdammt

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Die Rauchzeichen aus den USA waren nicht zu übersehen. Von Los Angeles, Houston und Kansas City bahnten sie sich über den Atlantik bis zur Säbener Straße. Beobachter dieses Naturschauspiels waren sich einig: Bayern-Trainer Niko Kovac und der Vorstandsvorsitzender Boris Becker müssen auf der Werbetour durch die Vereinigten Staaten eine Friedenspfeife geraucht haben.

Harmonisch, locker, fast freundschaftlich wirkten die beiden Führungskräfte des Rekordmeisters miteinander. Was erstaunlich schien, galt Rummenigge doch als Chef-Kritiker des Trainers, der bis heute als Wunschtrainer des (Noch)-Präsidenten Uli Hoeneß gilt. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schienen diese Vorbehalte allerdings Geschichte. Doch seitdem die Beiden wieder bayerischen Boden unter ihren Füßen haben, sind die Flitterwochen abrupt vorbei. Vor dem Halbfinale im Audi Cup rüffelte Rummenigge Kovac vor dem ZDF-Mikro derart schroff, dass das fulminante 6:1 der Bayern gegen die Türken zur Nebensache mutiert. Einen Kantersieg zur Randnotiz zu degradieren – das muss man auch erst einmal schaffen. Auf jeden Fall hat sich der Vorstand-Boss echauffiert, Kovac habe einen Wechsel von Leroy Sané zu offensiv und öffentlich in Aussicht gestellt. „Das hat mir nicht gefallen“, lautete das Rummenigge-Urteil. Daumen runter. In „Der Pate 4“ hat er damit Chancen auf eine Hauptrolle.

Kovac kroch bereits vor dem ZDF-Auftritt brav zu Kreuze, wählte Pep Guardiolas Handynummer und entschuldigte für seine Aussagen zur Causa Sané. Später wiederholte Kovac sein „Verzeiht-mir!“ auf der Pressekonferenz. Und so wirken Kovac und Rummennige wie ein Ehepaar, dass sich immer wieder zusammenrauft, sich aber irgendwann eingestehen muss: es funktioniert mit uns nicht!

Glücklicherweise bietet der Profi-Sport ein Hintertürhen: den Erfolg. Sollte die n die Bayern ihre Frühform zum Saisonstart bestätigen und sogar in der Champions League überzeugen, wird die Anti-Kovac-Fraktion die Füße still halten. Andersrum bedeutet das aber auch: Kovac hat schon vor dem ersten Spieltag keinen Kredit mehr. Der Welpenschutz seiner ersten Saison ist passé, erst Recht wenn Uli Hoeneß seinen Rückzug offiziell macht. Am Dienstag ist es noch einsamer um Niko Kovac geworden. Nach einem 6:1-Sieg.

Manchmal ist sogar eine Hintertür verschlossen.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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