München – Ausgerechnet die einzigen beiden Flügelflitzer hat es schon früh in der Saison erwischt: Nach dem Audi Cup drohen sowohl Serge Gnabry als auch Kingsley Coman den Supercup am Samstag beim BVB (20.30 Uhr, ZDF) zu verpassen. Gnabry plagte sich bereits nach dem ersten Tag des Vorbereitungsturniers mit muskulären Problemen, Coman musste das Finalspiel am Mittwoch wegen eines Schlags auf das Knie vorzeitig beenden.
Trainer Niko Kovac erwartet, „dass uns die beiden Spieler schnell wieder zur Verfügung stehen.“ Bei Coman gab es gestern die erfreuliche Nachricht: alles nicht so schlimm – der Franzose zog sich nur eine Knieprellung zu und steigt wohl schon heute wieder voll ins Mannschaftstraining ein.
Dennoch: Die Problemzone der Bayern ist nach den Sorgen um Coman und Gnabry sichtbarer denn je: Die Außenstürmer-Positionen sind unterbesetzt – und das bleibt auch so, solange es keine Entscheidung im Transferpoker um Leroy Sané gibt. Zwar gibt es neben Sané potenzielle Flügel-Alternativen wie Steven Bergwijn von PSV Eindhoven oder Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam und selbst Leipzigs Timo Werner ist noch nicht komplett aus dem Rennen, allerdings ist die interne Transfer-Strategie klar: Erst die Kracher stemmen, dann den Kader qualitativ und vor allem quantitativ auffüllen.
Sané soll sich laut „kicker“ und „Bild“-Zeitung mittlerweile für einen Wechsel zu den Bayern entschieden haben. Das berichteten beide Medien gestern ohne Angabe von Quellen. Demnach soll der 23-Jährige für mehr als 100 Millionen Euro von Manchester City zum deutschen Rekordchampion gehen und bei den Bayern einen Vertrag für vier oder fünf Jahre unterschreiben. Eine Einigung der Vereine steht demnach aber noch aus.
Die Reaktion der Münchner gestern: Ein Dementi. „Medienberichte vom heutigen Tage, mit dem Inhalt, dass sich Leroy Sané für einen Wechsel zum FC Bayern entschieden hätte, entsprechen nicht der Wahrheit“, erklärte der Club.
Allzu viel Zeit bleibt den Bayern freilich nicht mehr, den Kader zu optimieren. Auch Thomas Müller weiß das – er forderte in den Katakomben der Allianz Arena indirekt Verstärkung. Auf die Frage, ob der 17-Mann-Kader nicht doch reiche, sagte er: „Wenn Ergebnisse passen, bekommen wir für unseren Kader nie Kritik. Aber es geht darum, über einen Zeitraum von Englischen Wochen Spiel für Spiel drei Punkte zu holen. Da versucht man natürlich, sich im Vorfeld bestmöglich aufzustellen – mit einer guten Mischung aus Qualität und Quantität.“
Entspannt betrachtet man die Münchner Kaderplanung in Dortmund. Der BVB hat seine Hausaufgaben bereits gemacht und kann mit Mats Hummels, Julian Brand, Nico Schulz und Thorgan Hazard schon seit einiger Zeit namhafte Neuzugänge präsentieren. Kritik an dem noch stockenden Transfer-Geschehen beim Rivalen will sich BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nicht erlauben, im Gegenteil. „Wenn ich mir die Aufstellung aufschreibe, mit der die Bayern in den kommenden Wochen spielen könnten, ist das eine Top-Mannschaft. Die ersten 15, 16 Spieler sind absolutes Top-Niveau. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international“, lobt der Dortmunder Geschäftsführer. Egal, wie groß der Bayern-Kader ist, für den Rekordmeister zählt am Samstag in Dortmund nur ein Sieg. Thomas Müller gibt die Marschroute daher schon mal vor: „Das ist der erste Titel, der ist uns wichtig. Wir wollen zeigen, dass wir da sind.“