München – Es ist eines dieser Duelle, bei denen die 3. Liga zu einer kleinen Zeitreise einlädt – und vor denen auch Daniel Bierofka ein besonderes Kribbeln spürt. „Montagabend, das Flutlicht ist an“, sagte der 1860-Coach mit ehrlich klingender Begeisterung: „Es sind zwei Traditionsvereine, die aufeinandertreffen – vor sehr vielen Zuschauern. Von dem her kann sich jeder freuen auf dieses Spiel.“
Waldhof gegen TSV 1860 – nicht nur Nostalgiker haben da sofort gewisse Bilder im Kopf: auf der einen Seite den Pepitahut tragenden Elektrikermeister Klaus Schlappner, die Mannheimer Verteidiger-Schmiede (Förster-Brüder, Steiner, Schlindwein, Kohler, Wörns), raue 80er-Jahre. Auf der anderen Seite die Lorant-Löwen um Recken wie Bernhard Trares, den heutigen Waldhof-Coach. Überraschung jedoch: Beide Traditionsvereine sind sich nie in der 1. Liga begegnet. So trügerisch können Erinnerungen sein. Erstaunlich ist auch, wie lange überhaupt das letzte Punktspiel zurückliegt. 1993/1994 war das, in der 2. Liga. 25 Jahre ist das her – und beide Kontrahenten haben in diesem Vierteljahrhundert viel leiden müssen. Für 1860 ging es runter bis in die Regionalliga Bayern, für Mannheim sogar bis in die Oberliga Baden-Württemberg.
Heute treffen sich beide Clubs wieder – und auch zwei Trainer, die den Status von Löwen-Legenden haben. Doch Überraschung, Teil II: Bierofka und Trares wurden zwar beide von Werner Lorant geprägt, doch beide haben weder zusammen Fußball gespielt noch sind sie sich je an der Seitenlinie begegnet. Trares, 53, verließ die Löwen 1997, ehe er 2004 für zwei Jahre als Co-Trainer zurückkehrte. Bierofka debütiert 2000 im Sechzig-Trikot, ging aber schon 2002 nach Leverkusen, und kam erst 2007 wieder (aus Stuttgart).
Es ist gegenseitiger Respekt, der die beiden früheren 1860-Kapitäne verbindet. „Er hat seine Sache immer schon sehr gut gemacht“, lobte Trares den 13 Jahre jüngeren Bierofka. „Er hat Fußspuren bei 1860 hinterlassen“, sagt Bierofka über Trares. Nur einen direkten Kontakt gab es – im Mai 2018 vor dem Relegationsspiel der Löwen gegen Saarbrücken: „Da hat mir der Bernhard sehr geholfen, weil er Saarbrücken besser kannte (aus der Regionalliga Südwest/Red.)“, erinnert sich Bierofka: „Ich bin ihm noch heute dankbar dafür.“
Aber: All das wird heute keine Rolle spielen. Bierofka will den Aufwärtstrend mit 1860 fortsetzen (zuletzt 3:0 gegen Zwickau) und am liebsten alle drei Punkte aus dem Carl-Benz-Stadion entführen. Leicht wird es nicht, ahnt er, denn der Aufsteiger hat drei Unentschieden aus den ersten drei Spielen geholt. Dazu kommt, so Bieroka, dass der Stil des SV Waldhof jenem Fußball ähnelt, für den Trares als Profi stand: „Aggressiv, körperbetont, laufstark – die alte Lorant-Philosophie. Es ist ja immer so, dass man die Trainer-Persönlichkeit auch bei der jeweiligen Mannschaft sieht. Siehe Simeone/Atlético. Siehe Pep/ManCity.“ Siehe Bierofka/1860.
Personell grübelt Bierofka noch, ob er Felix Weber nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre ins Team holt – oder Aaron Berzel drin lässt, der den aktuellen Kapitän gut vertreten hat. Ansonsten ist die Marschrichtung klar: „Wir müssen couragiert auftreten. Ohne Mut und Überzeugung kannst du nicht erfolgreich sein.“ Trares, der andere Lorant-Schüler, wird seinem Team vermutlich Ähnliches mit auf den Weg geben.