Großes Staunen, leise Zweifel

von Redaktion

Konstanze Klosterhalfen sorgt mit 5000-m-Rekordlauf für Höhepunkt der Leichtathletik-DM

Berlin – Konstanze Klosterhalfen hatte gerade das Olympiastadion mit ihrem einsamen Rekordlauf in Staunen versetzt, da sorgte sie erneut für Verblüffung. Boxen, so verriet das zierliche Lauf-Leichtgewicht, sei mittlerweile zentraler Teil ihres Trainings. „So richtig mit Schlagen, das macht super Spaß! Meine Finger waren richtig blau danach“, sagte die 22-Jährige. Den mächtigen Punch, den sie bei der Leichtathletik-DM in Berlin auf der Bahn präsentierte, erklärt dies aber nicht alleine.

Mit ihrem grandiosen Sturmlauf über 5000 m drang Klosterhalfen erneut in Bereiche vor, die einer deutschen Läuferin lange nicht zugetraut worden waren. „Ich wollte einfach schnell laufen, alles geben und dann mal schauen, was passiert“, sagte die Leverkusenerin, die mittlerweile in den USA trainiert. Was passierte, war einigermaßen unglaublich.

In 14:26,76 Minuten lief Klosterhalfen nicht nur ihre Konkurrenz in Grund und Boden, sondern zertrümmerte auch den 20 Jahre alten deutschen Rekord von Irina Mikitenko, war 15 Sekunden schneller. Klosterhalfen ist damit Nummer 13. in der ewigen Weltbestenliste und zweitschnellste gebürtige Europäerin. „Das ist auch für mich unbeschreiblich“, sagte Klosterhalfen. Lediglich Alina Reh, das große Talent von der Schwäbischen Alb, war von der Siegerin nicht überrundet worden. „Das war das schlimmste Rennen meines Lebens“, sagte Reh. „Hut ab vor Koko!“ Und ziemlich ratlos und verzweifelt fügte sie hinzu: „Sie läuft ja auch nur mit zwei Beinen und setzt eines vor das andere.“

Ein Dreivierteljahr nach ihrem Wechsel nach Portland ins Oregon Project des Sportartikelgiganten Nike, wo sie unter Coach Pete Julian arbeitet, gehen Klosterhalfens Leistungen auf den längeren Strecken durch die Decke. „Das Training ist nicht nur intensiver, sondern auch schlauer strukturiert. Es geht den Trainern um jedes Detail, Ziel ist, wirklich alles zu verbessern. Und der Nike-Campus ist wirklich atemberaubend“, sagte Klosterhalfen.

Weil dort aber nicht nur die von ihr gerühmten „Weltcoaches und Weltathleten“ ansässig sind, sondern das Projekt im ehemaligen Marathonläufer Alberto Salazar einen Leiter mit reichlich dubiosem Ruf hat, werden Klosterhalfen und ihre Entwicklung kritisch verfolgt. Sie selbst geht offensiv-verständnisvoll mit Zweiflern und Zweifeln um.

„Ich kann das schon verstehen. Aber jeder, der ein negatives Bild hat, soll gerne vorbeikommen und sich das angucken“, sagte Klosterhalfen in Berlin: „Ich kann nur Positives berichten und hoffe, dass ich das durch meine Leistung weiter zeigen kann.“ Die Diskussion, das räumte sie zugleich ein, „macht mich ein bisschen traurig und auch ein bisschen sauer.“

Nach dem kurzen Rekordtrip nach Berlin – am Mittwochabend war sie aus den USA eingeflogen, am Sonntag schon auf dem Rückweg in Richtung Höhentrainingslager in Utah – legt Klosterhalfen den Fokus ganz auf die WM in Doha (27. September bis 6. Oktober). „Ich weiß noch nicht genau, welche Strecke ich mache“, sagte sie. Die 3000 m, derzeit wohl ihre Idealstrecke, sind nicht im WM-Programm, die Wahl muss zwischen 1500 und 5000 m fallen.

Ob kurz oder lang, Klosterhalfen stellt trotz ihrer steilen Entwicklung noch keine überzogenen Ansprüche. „Ich möchte zum ersten Mal im Finale stehen und dann alles geben, was geht“, sagte sie: „Mein Ziel ist es, immer mehr in die Weltspitze vorzudringen. Vom Taktischen habe ich noch viel zu lernen.“

sid/dpa

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