Mehr als zwei Warnschüsse

von Redaktion

SUPERCUP Bayern unterliegen dem BVB mit 0:2 – und nehmen die Pleite ernst

VON JONAS AUSTERMANN

Dortmund – Das erste Titelchen der Saison ist futsch! Im Duell um den deutschen Supercup hat der FC Bayern eine 0:2-Pleite bei Borussia Dortmund kassiert. Trainer Niko Kovac wusste bereits vorab: „Wenn man den Titel gewinnt, ist alles okay. Wenn nicht, dann ist alles schlecht.“ Ganz so drastisch ist die Lage beim Rekordmeister jetzt freilich nicht, die ersten Warnschüsse der neuen Saison werden von den Münchnern aber sehr ernst genommen. Neben dem sportlichen Rückschlag beschäftigt die Stars weiterhin die dünne Personaldecke.

Nach Abpfiff bot sich ein Bild mit Symbolcharakter. Präsident Uli Hoeneß bahnte sich auf dem Rasen seinen Weg zu Kovac, fachsimpelte mit ihm an der Seitenlinie und gab dem Coach gleich mehrere Klapser mit. Nach außen sollte das wohl die Botschaft vermitteln: Was ist denn schon passiert? Und tatsächlich, es war nicht alles schlecht am Samstagabend aus Bayern-Sicht. Der Doublesieger des vergangenen Jahres hatte in Dortmund ein Übergewicht an Ballbesitz und Torabschlüssen – aber eben auch was haarsträubende Fehler im Aufbau anging. Oder wie Joshua Kimmich, der neue Mister Klartext, analysierte: „Es war nicht nur ein Spieler, der neben sich stand. Es war im Kollektiv so. Und egal gegen welchen Gegner du so viele einfache, individuelle Fehler machst, wird es schwierig, ein Spiel zu gewinnen.“

Bei beiden Gegentreffern lief der FC Bayern sehenden Auges ins offene Messer, das erinnerte verdächtig an das Zustandekommen der 2:3-Niederlage in Dortmund vergangene Saison. Das Absurde: Passmaschine Thiago leitete beide BVB-Tore mit haarsträubenden Fehlpässen ein, stand auch sonst völlig neben sich. Kimmich fand deutliche Worte: „Es ist ein Muster, wie wir hier in Dortmund unsere Gegentore bekommen. Es ist ein Stück weit naiv, fehlende Konzentration und auch fehlende Qualität. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass der BVB konterstark ist.“

Kovac und Hasan Salihamidzic schlugen weniger markige Töne an. Während der Trainer ein „solides Spiel“ seines Teams gesehen hatte, verblüffte der Münchner Sportdirektor mit seinen Worten. „Ich kann nicht sagen, dass wir schlechter waren. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben viele Fehler gemacht. Aus diesem Spiel können wir viele Erkenntnisse ziehen, aber ich bin nicht nervös“, erklärte ein sichtlich angefressener Salihamidzic.

Das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Denn am Samstag genügte ein Blick auf den Aufstellungsbogen, um zu wissen, dass nicht nur Trainer und Mannschaft ab morgen im Trainingslager am Tegernsee eine Menge Arbeit vor sich haben. Kovac nominierte nur 19 statt der neuerdings erlaubten 20 Spieler, dazu gehörten mit Sven Ulreich und Ron-Thorben Hoffmann zwei Torhüter. Außerdem saßen mit Sarpreet Singh und Ryan Johansson zwei Akteure auf der Bank, die für die Amateure bzw. die U19 vorgesehen sind.

Den ersten sportlichen Rückschlag der Vorbereitung nutzte Angreifer Robert Lewandowski deshalb gleich mal für ein erneutes Plädoyer Richtung Sportdirektor und Clubbosse: „Klar haben die jungen Spieler auf der Bank Potenzial, aber wir brauchen Spieler, die reinkommen und der Mannschaft direkt helfen können. Meine Meinung bleibt so, wie ich es vor drei Wochen gesagt habe. Heute war der Zeitpunkt, an dem wir sehen konnten, was passiert, wenn wir nur so viele Profispieler haben.“ Zur Erinnerung: In Los Angeles hatte der Pole nachdrücklich Neuzugänge gefordert, um vor allem in der Champions League wettbewerbsfähig zu bleiben.

Coach Kovac geht in Sachen Verstärkungen nach dem öffentlichen Rüffel von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mittlerweile subtiler vor. Er meinte: „Der BVB hat eine Topmannschaft – und da haben noch einige gefehlt, die sie verpflichtet haben.“ Das waren klare Worte in Richtung Clubführung.

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