Supercup-Niederlage der Bayern

Nur Indizien, kein Maßstab

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Es gibt Trainer, die können Supercup einfach nicht, zumindest nicht den deutschen. Pep Guardiola zum Beispiel hat in den drei Jahren beim FC Bayern das Duell um die DFL-Trophäe stets verloren. Meister wurden die Münchner trotzdem in jedem Jahr unter dem Katalanen – und zwar stets mit riesigem Vorsprung.

Niko Kovac kann Supercup, das hatte er in der vegangenen Saison bewiesen, als er mit seinem damals neuen Club Bayern über seinen ehemaligen Verein Frankfurt triumphierte. Meister wurden die Münchner dann auch, aber nicht souverän, und Kovac hatte so manche Krise zu überstehen.

Wer das Duell zwischen Meister und Pokalsieger oder Meister und Vizemeister verliert, ist sicher nicht chancenlos im anschließenden Titelkampf. Die Auftritte in diesem vorsaisonalen Wettbewerb haben in der Regel keine große Aussagekraft. Ein Sieg ist gut fürs Selbstvertrauen, ja, und ein paar Indizien liefert das Supercup-Spiel kurz vor dem Bundesliga-Auftakt natürlich immer. Auch dieses Mal, wenngleich es erwartbare waren.

Dass der BVB gut drauf ist, hat niemanden überrascht, ebenso wenig, dass er in der Lage sein wird, den Bayern Paroli zu bieten, schon eher, dass er dies auch ohne vier Neuzugänge geschafft hat. Und um zu wissen, dass beim Double-Sieger aus München noch nicht alles rund läuft, hätte es dieses Duells nicht unbedingt bedurft.

Der Kader, das verhehlt bei Bayern trotz Transfer-Schweigegebot niemand, ist zu dünn besetzt. Quantitativ und auch qualitativ. Während die Dortmunder ihre Transferaktivitäten früh abschlossen und sich deshalb schon in den vergangenen Wochen einspielen konnten, wartet der deutsche Rekordmeister auf den Königstransfer aus England. Er nahm in Kauf, die Vorbereitung mit nur 16 gesunden Profis zu bestreiten. Aber es steht außer Frage, dass sich die Münchner noch auf Shopping-Tour begeben – nur wie großzügig die ausfällt, hängt davon ab, ob der beim englischen Supercup wegen einer Knieverletzung ausgewechselte Leroy Sané kommt.

Stand jetzt ist Borussia Dortmund leicht favorisiert zu Beginn der Saison. Aber entscheidend ist – das zeigte die vergangene Spielzeit –, wer am Ende, im kommenden Mai, vorne ist. Und nicht im Herbst oder an Weihnachten.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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