Budapest – Wenigstens bei der Vergabe der Halbjahreszeugnisse konnte Sebastian Vettel seinen Herausforderer-Nachfolger Max Verstappen und den übermächtigen Lewis Hamilton ein bisschen foppen. „Komm schon, gib Dir eine 10“, sagte Vettel zum Ungarn-Gewinner und achtmaligen Saisonsieger Hamilton. Der wollte auf einer Skala von 1 bis 10 aber nur bei einer 8,8 oder 8,9 bleiben. Vettel gab sich eine Fünf. Durchschnitt, Mittelmaß. Spitze sind andere wie mittlerweile vor allem auch Verstappen. „Ich bewerte mich nicht in Zahlen“, sagte der Red-Bull-Pilot. „In was sonst? Buchstaben?“, stichelte Vettel.
Es wäre so schön, wenn alle drei Piloten auch auf der Strecke derart gegeneinander fahren könnten. Es gibt aber einen Hamilton, der nach ein bisschen Meditation und Sonnenaufgang-Gucken noch stärker aus der Formel-1-Sommerpause Anfang September hervorkommen will, und einen Verstappen, der nach rüpelhaften Jahren mit Reife und Klasse Hamilton mächtig was abverlangt. Auch weil sein Auto im Gegensatz zum Ferrari von Vettel Fortschritte macht. Die Scuderia muss fürchten, von Vettels ehemaligem Team dauerhaft überholt zu werden.
Und vieles klingt nur noch wie eine Durchhalteparole. „Das Team ist bereit, alles zu geben“, sagte Vettel auf dem Hungaroring. „Und das ist im Moment alles, was wir tun können.“ 94 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Hamilton, der seinem sechsten Titel entgegenfährt, sind entmutigend. Über eine Minute Rückstand auf den 34 Jahre alten Titelverteidiger als Dritter beim Großen Preis von Ungarn am Sonntag waren ernüchternd.
Vettel ist 32, Hamilton 34, Verstappen 21. Vettel holte viermal die WM, Hamilton fünfmal, Verstappen kein Mal. Aber vieles deutet darauf hin, dass Verstappen in nicht allzuferner Zukunft auch zu den Champions der Motorsport-Königsklasse gehört.
Als Hamilton über Verstappen sprach, klang es auch schon so, als redete er über Vettel. Großartiger Fahrer, gegenseitiger Respekt, all das. Und Hamilton wünscht sich mehr von diesen Duellen wie beim letzten Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause, das sich nahtlos in die Spannung der vergangenen Wochen einfügte.
„Es gibt ehrlich gesagt als Rennfahrer kein besseres Gefühl, wenn du ein Rennen fährst wie dieses gegen einen starken Fahrer in Bestform so wie Max. Ich hoffe, dass es so weitergeht“, sagte Hamilton. In weniger als 20 Runden hatte er knapp 20 Sekunden auf den Red-Bull-Fahrer aufgeholt, der mit der Empfehlung der spektakulären Siege in Spielberg und auf dem Hockenheimring in die Puszta gereist war.
Eine taktische Variante mit einem zweiten Reifenwechsel sowie sein fahrerisches Können hatten Mercedes-Star Hamilton aber noch den Sieg beschert. „Als ich Zweiter war, dachte ich: Okay, jetzt haben wir nach all den Diskussionen also den Kampf“, sagte Hamilton. Er spielte damit auf Spekulationen vor dem Großen Preis von Ungarn an, wer der erfolgreichere Fahrer wäre, wenn er und Verstappen im selben Team fahren würden.
Tun sie aber nicht, und die Kombination Mercedes/Hamilton bewies noch mal, zu was sie in der Lage ist. Da bleibt Vettel nur die Hoffnung, dass die Strecken nach den Ferien dem Ferrari besser liegen. Soll seine Jahresendnote nicht unterdurchschnittlich werden, müssen er und Ferrari schon ganz bald etwas ganz Besonderes abliefern. dpa