Fredi Bobic liegt ja durchaus richtig mit seiner Einschätzung, die Fußball-Bundesliga sei zu einer extrem langweiligen Veranstaltung geworden. So lässt sich der Saisonverlauf in knappen Worten wiedergeben: Am Ende gewinnt der FC Bayern. Und mit Borussia Dortmund gibt es gerade einen einzigen Club, der das Potenzial für gelegentliche Konkurrenzfähigkeit hat. Überschaubar ist auch die Zahl jener, die sich Hoffnungen aufs internationale Geschäft machen können. Frankfurts Sportvorstand spricht da von „zementierten Machtverhältnissen“. Kein Zweifel: Diese Fehlentwicklung lähmt die Liga, schwächt sie auch international. Doch wie lässt sich die Chancengleichheit in Fußball-Deutschland zumindest einigermaßen wiederbeleben? Bobic packt da ungeniert eines der heißesten Eisen der Branche an: Er rät, die 50+1-Regel abzuschaffen – also milliardenschwere Investoren an die Schalthebel der Vereine zu lassen.
Nun, man muss derlei Gedanken nicht grundsätzlich verteufeln. Prominente Beispiele aus dem Ausland, z. B. FC Chelsea oder Manchester City zeigen, dass so eine Liaison durchaus reiche Früchte tragen kann. Und wahr ist sicher auch, dass es gerade hierzulande Tradition hat, es mit der Vereinsmeierei etwas zu übertreiben. Nur liegt Bobic ziemlich falsch, wenn er glaubt, alle Bedenken wegwischen zu können mit dem Argument, es würden zu viele Ängste geschürt in puncto Oligarchen, Scheichs und anderer Tycoons. Offenbar hat der frühere Nationalstürmer völlig verdrängt, dass es da südlich von Frankfurt ein besonders abschreckendes Beispiel gibt. Den TSV 1860 München.
Dabei hat es Hasan Ismaik, der Investor des Drittligisten, immer noch nicht geschafft, die von ihm so innig gehasste 50+1-Regel zu zertrümmern. Aber allein sein finanzielles Engagement und sein damit verbundenes Streben nach Alleinherrschaft reichten schon, um die Sechziger bedrohlich zu destabilisieren. In der vom Ex-Milliardär aus Jordanien geprägten Ära stürzten die Löwen zwischenzeitlich gar in die Viertklassigkeit (Ziel war der Erstligaaufstieg und mittelfristig, laut Ismaik, „Augenhöhe mit dem FC Barcelona“), der Club sah sich zudem von permanentem Zwist gebeutelt und handelte sich eine massive Identitätsstörung ein (der Verein samt Anhängerschaft ist inzwischen de facto gespalten). Ein bisschen Angst vor drohender Fremdherrschaft ist also bisweilen durchaus angebracht.
Armin.Gibis@ovb.net