München – Clemens Tönnies gerät immer stärker unter Druck. Der Ehrenrat des FC Schalke 04 wird sich voraussichtlich heute mit den rassistischen Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden beschäftigen. Später gibt es auch noch eine Untersuchung durch die DFB-Ethikkommission. Tönnies hatte beim Tag des Handwerks als Festredner vorgeschlagen, im Kampf gegen den Klimawandel 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren statt Steuern zu erhöhen. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte der Wurstfabrikant.
Derweil gibt es immer mehr Kritiker. In Gerald Asamoah fand sogar ein Angestellter des Gelsenkirchener Vereins deutliche Worte. Er sei „sehr überrascht, geschockt und auch verletzt“, schrieb der gebürtige Ghanaer und Manager des Schalker U 23-Teams auf Twitter und forderte sogar Konsequenzen: „Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen. Das können wir nicht dulden.“
Ähnlich äußerte sich der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Cacau. „Je länger ich darüber nachdenke, desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht“, verkündete der ehemalige deutsche Nationalspieler. Der gebürtige Brasilianer hält es für richtig, dass die Äußerungen untersucht werden, denn er weiß: „Wir Fußballer und Funktionäre tragen eine besondere Verantwortung und sollten uns gegen Rassismus authentisch und mit aller Kraft einsetzen und nicht an einer Spaltung mitwirken, die ohnehin in unserer Gesellschaft spürbar ist.“
Der Schalke-Ehrenrat muss nun bewerten, ob hinter den Äußerungen von Tönnies eine ausländerfeindliche Grundhaltung steckt oder lediglich eine Unbedachtheit, deren Wirkung sich der 63-Jährige erst später bewusst wurde. dpa/es