München – Er ist ein alter Bekannter. Drei Jahre spielte Paul Zipser bereits im Basketballteam des FC Bayern (2013 bis 2016), schaffte dort den Sprung in die Eliteliga NBA, wo er zwei Saisons bei den Chicago Bulls spielte. Zuletzt war der gebürtige Heidelberger in Burgos/Spanien unter Vertrag. Nun kehrt der 25-Jährige nach München zurück.
Paul Zipser, Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic sagte in den letzten Jahren gerne, Sie seien immer ein Teil des FC Bayern. Ist denn der FC Bayern auch ein Teil von Ihnen?
Das habe ich ja immer gesagt. Ich hatte eine super Zeit hier. Das ist eine tolle Organisation. Im Management, im Team hinter dem Team sind viele besondere Menschen. Ich mag den Verein. Und deshalb bin ich sehr froh, dass das jetzt geklappt hat.
Viele hatten schon nach Ihrer Rückkehr aus der NBA im letzten Jahr mit dem Schritt gerechnet…
Es hat jetzt ein bisschen länger gedauert, ja. Das war ein Prozess. Aber die letzten beiden Jahre waren einfach kompliziert. Ich war lange verletzt.
… ein Ermüdungsbruch im Fuß.
Ja, wir hatten lange versucht, es zu verhindern, dann kam der Bruch doch. Das hat dann sehr lange gedauert. Ich hätte auch schnell einen Verein haben können, aber ich habe mir die Zeit dann genommen. Die Behandlungen in Heidelberg und in München bei Jochen Hahne. Das war schon das, was ich gebraucht habe.
War das Engagement beim spanischen Mittelklasseclub Burgos, ohne Europapokal, das perfekte Aufbauprogramm?
Ich mag das Spiel in der spanischen Profiliga ACB. Das habe ich mir immer gerne angeschaut und vor der NBA habe ich auch gesagt: Irgendwann möchte ich da mal spielen. Und der Rhythmus mit nur einem Spiel pro Woche hat optimal gepasst. Da konnte ich optimal an mir arbeiten. Jetzt geht es mir wieder gut. Ich bin jeden Tag in der Halle und trainiere, das hat richtig Spaß gemacht. Das war zuletzt nicht immer so.
Als Sie München verlassen haben, stand der FC Bayern im Schatten von Bamberg. Nun ist der Verein Meister und Fixstarter in der Euroleague. Eine neue Welt.
Ich habe jetzt noch nicht viel gesehen, zuletzt habe ich eine Woche da trainiert. Aber klar, das ist jetzt ein anderes Niveau. Der Verein will in der Euroleague angreifen. Und da ist mit diesem Kader, den wir jetzt haben, auch sicher einiges möglich. Ich meine, letztes Jahr war Derrick Williams hier, jetzt Greg Monroe. Das ist schon eine tolle Entwicklung. Auch für die deutsche Liga, auf die ich mich sehr freue. Aber ich bin auch ein anderer geworden. Die NBA hat mich sportlich und menschlich weitergebracht. Und jetzt habe ich in München die Chance, mich weiter zu verbessern. Aber ich setze mich jetzt nicht groß unter Druck. Ich will die Zeit erst mal nutzen, um in den Rhythmus zu kommen.
Haben sie die NBA noch im Hinterkopf? Die Bayern sind ja kein schlechtes Sprungbrett …
Genau, das habe ich ja ein bisschen vorgemacht. Mittel- oder langfristig möchte ich da schon wieder hin. Weil ich einfach auch gesehen habe, dass ich da wirklich mitspielen kann. Aber momentan denke ich sehr kurzfristig. Jetzt geht es erst einmal zur WM, dann kommt die Bayern-Saison. Das habe ich jetzt erst mal im Blick.
Experten sagen, die Nationalmannschaft, die zur WM reist, vertritt die vielleicht beste Generation, die der deutsche Basketball je hatte. Das verheißt Druck.
Wir haben aber auch einfach viel Talent. Und nicht nur unter den ersten zwölf Spielern. Auch dahinter. Man muss sich mal überlegen: Viele von den Spielern, die uns zur WM gebracht haben, sind jetzt gar nicht dabei. Wer immer zusammengespielt hat, hat funktioniert. Klar ist das ein starkes Turnier mit vielen NBA-Spielern, und wir müssen uns als Mannschaft finden. Aber wir haben das Zeug, weit zu kommen.
Das klingt nach Vorfreude.
Ich freue mich auf China und Japan, wo das letzte Trainingslager stattfindet und wo ich noch nie war. Ich hoffe schon, dass der DBB uns ermöglicht, ein bisschen was mitzubekommen. Ich freue mich auf die Mannschaft, die ich jetzt wiedersehe. Meine Güte, ich klinge schon wie der kleine Junge im Sandkasten. Aber ich freue mich einfach schon seit Monaten auf diese WM.
Eine WM, bei der Sie auch auf Ihren künftigen Kapitän Danilo Barthel treffen werden. Das gab es noch nicht oft.
Das stimmt. Das ist mir kürzlich auch mal aufgefallen. Bei den letzten Länderspielfenstern haben wir uns zuverlässig verpasst. Einmal haben wir, glaube ich, bei der Nationalmannschaft zusammen gespielt, davor vor acht Jahren in der zweiten Liga in Heidelberg. Das sind auch so Dinge, auf die ich mich sehr freue: Danilo wiederzusehen, auch Johannes Voigtmann. Oder wieder mal mit Maxi Kleber zu spielen. Das wird super.
Interview: Patrick Reichelt