Gelsenkirchen – Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vom Fußball-Bundesligisten Schalke hat im Zuge seiner umstrittenen Aussagen über Afrikaner Unterstützung aus dem Sport und der Politik erfahren. „Ich habe ihn stets als ehrlichen und sehr sozial engagierten Menschen kennengelernt. Als einen, dem nur wichtig ist, wie sich ein Mensch verhält und nicht, woher er kommt“, sagte Trainer-Ikone Otto Rehhagel den Funke-Medien, „ihm tut seine Aussage leid – zu Recht, denn sie war falsch und unpassend. Diese ernst gemeinte Entschuldigung nehme ich Clemens ab.“
Am Dienstagabend musste sich Tönnies vor dem fünfköpfigen Ehrenrat des FC Schalke 04 verantworten. Die Sitzung begann um 18.30 Uhr und dauerte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch an. Gerald Asamoah, Ex-Spieler und nun Angestellter bei Schalke 04 und einer der Kritiker von Tönnies, sollte ebenfalls gehört werden – und kam erst gegen 22 Uhr.
Den Tag über hatten sich Tönnies-Befürworter und Kritiker formiert. Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens stellte sich demonstrativ hinter den Boss: „Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind – völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen – nie um die Farbe seiner Haut.“ Er nehme Tönnies dessen Entschuldigung ab: „Ich habe Vertrauen in ihn, dass ihm so etwas nicht noch einmal passiert.“
Gegenwind erhält Tönnies allerdings durch Susanne Franke, Vorstand der Schalker Fan-Initiative. „Ich halte Clemens Tönnies in seiner Rolle für den Verein, in seiner sehr sichtbaren, großen, tragenden Rolle, nicht mehr für tragbar“, sagte sie im Interview mit der Deutschen Welle. Falls alles beim Alten und Tönnies Vereinschef bleibe, ist Franke sicher, werde es „auf jeden Fall Proteste geben“.
Fleischfabrikant Tönnies hatte beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn eine Rede zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung“ gehalten. Er empfahl die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Es folgte eine öffentliche Entschuldigung von Tönnies.
Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel meinte zwar, „der Spruch“ sei „garantiert daneben“ gewesen. Er will allerdings den Unternehmer nicht zum Rassisten stempeln. Das sei „absoluter Quatsch. Wer ihn kennt, weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten.“ sid/dp/mm