Drei Monate Pause also. In diese Zeit werden fünf Heimspiele fallen. Vielleicht schenkt Clemens Tönnies sich das ein oder andere, denn er will ja auch gelegentlich auf Malle entspannen. Doch gewiss möchte er in der Gelsenkirchener Arena sein, wenn die Bayern kommen (24. August) und wenn Derby ist (26. Oktober). Er muss ja nicht als Vorsitzender des Aufsichtsrats erscheinen. Sondern als Clemens Tönnies, der dem Verein zugetane Unternehmer, der für immer Königsblaue, die Very Important Person, die ihr Bierchen zu trinken gedenkt am Samstagnachmittag. Tönnies hat wohl vor, sein Clemens-der-Boss-von-Schalke-Leben weiterzuführen. Er hat schließlich nur eine Strafe light bekommen. Die er auch noch selbst vorgeschlagen hat. Drei Monate das Amt ruhen lassen – das ist nicht mal eine Bewährungsstrafe. Es ist eine Rüge für diskriminierende Äußerungen – und ein Freispruch im wesentlicheren Punkt: Tönnies habe keine rassistische Verfehlung begangen.
Die Sache ist damit aber nicht vom Tisch. Eigentlich geht sie jetzt erst richtig los. Einfangen können hätte Clemens Tönnies die Affäre nur, indem er schon vor der Sitzung zurückgetreten wäre – die Forderungen standen im Raum. Doch offensichtlich wollte er von der Macht nicht lassen. Was er dadurch aber bewirkt: Er fügt seinem Verein Schaden zu. Aus dem Tönnies-Skandal wird ein Schalke-Skandal – der nebenbei den gesamten deutschen Fußball lädiert.
Denn wie glaubwürdig sollen jetzt noch all die Anti-Rassismus-Kampagnen wirken, wenn schon Schalke 04, das sich mit seinem klaren Leitbild positioniert hat, die eigenen Vorgaben missachtet? Machen die Clubs nur des Marketings wegen, um die Fanszene zu bedienen und um gesellschaftliche Normen zu erfüllen in „Corporate Social Responsibility“? Vor diesem Hintergrund ist, was der Schalker Ehrenrat ausgetüftelt hat, verheerend. Man ist versucht, vom Unehrenrat zu sprechen.
Der Kölner Rechtsprofessor und Richter Jan Orth bringt es auf den Punkt. Der Spruch sei „juristisch äußerst zweifelhaft, gesellschaftspolitisch schwer zu ertragen und gegen wesentliche Fußballwerte. Wie sollen nun etwa glaubhaft ähnliche Ausfälle in der Kurve verfolgt werden?“ Das müsste als Einsicht aber bei Tönnies ankommen. Er stellt sich über den Verein, er dient ihm nicht. Er ist ein denkbar schlechter Vorsitzender.
Guenter.Klein@ovb.net