Schweinfurter Turner heiß auf den TSV

von Redaktion

1860 gastiert zum Auftakt des Totopokals bei einem Landesligisten, der bestens vorbereitet ist

VON MICHAELI HORLING

Schweinfurt – Sogar Dimitrios „Dimi“ Papadimitriou, eigentlich im Heimaturlaub in Griechenland, fliegt für ein paar Tage ein und wird heute das FT-Vereinsheim an der Maibacher Höh öffnen. Kein Wunder, denn dort steigt ja das „Jahrhundertspiel“ der Freien Turner Schweinfurt. Man erwartet einen löwenstarken Abend.

Ob’s überhaupt schon mal eine Pressekonferenz im Vorfeld einer Partie des zweitbesten Schweinfurter Fußballvereins gegeben hat? Vorigen Freitag, sechs Tage vor der Austragung des Totopokal-Spiels, fand eine statt. Weil Ernst Gehling, der Sportliche Leiter, und Trainer Adrian Gahn den Medien einiges mitzuteilen hatten.

In erster Linie das: Man darf auf dem kleinen Sportplatz im Stadtteil Gartenstadt spielen. Ein Ausweichen ins Willy-Sachs-Stadion, Heimstatt des Regionallisten FC Schweinfurt 05, ist nicht notwendig. „Wir bekommen es auf die Reihe, wir haben den Mut. Das wird ein besonderes Spiel. Wir sind gespannt auf die Resonanz“, so Gehling.

Maximal 3000 Leute dürfen um den Sportplatz herum stehen 2000 werden erwartet. Vielleicht auch ein paar mehr? Es soll heute auf jeden Fall noch Tickets geben, wobei eine klare Trennung zwischen Heim- und Gästefans vorgesehen ist. Für die 250 härtesten 1860-Fans hat man einen Extra-Block abgesperrt. Mit Giesinger Ultras rechnet allerdings keiner bei den Turnern. „Die steigen erst ab der vierten Pokalrunde ein“, sagt Gehling, der vielmehr auf die über ganz Franken verteilten 1860-Sympathisanten hofft: „Die dürfen sich mit dem Fanschal auch unter das normale Volk stellen.“

Ansonsten gilt: Radlfahrer sind willkommen, sie zahlen sogar 2 Euro weniger Eintritt. Für Autos ist im Wohngebiet kein Platz. Gehling erinnert sich an die 80er Jahre, als zum ersten Stadtderby in der Landesliga gegen den FC 05 mehr als 3000 Fans kamen. „Da hatten wir Sitzbänke auf der Aschenbahn aufgebaut, da gab’s aber auch noch keine Verrückten. Vor 30 Jahren hat man höchstens mal über einen Knallfrosch gelacht. Da hat es nur auf dem Spielfeld geraucht“, so Gehling über seine aktive Zeit als Spieler. Pyros wollen die Turner auf keinen Fall sehen.

Beiläufig erzählt Gehling auch noch, dass er im Grunde ein verhinderter Löwe ist. In den 70ern, als er noch ein Jugendlicher war und der TSV 1860 in der Bundesliga spielte, da wurde er mal zu einem Probetraining eingeladen. „Ich war auch schon in München und sollte abgeholt werden. Aber die fanden mich nicht, weil ich mich versteckt habe. Ich hatte Muffensausen“, sagt er und lacht.

Heute gilt das nicht mehr. Angst hat keiner, wenngleich die Rollen klar verteilt sein dürften. „Ich sage weder, dass wir was reißen können noch dass wir chancenlos sind“, so Trainer Adrian Gahn. Er ahnt, „dass die Löwen den ein oder anderen schonen, wobei es aber egal ist, ob bei denen die Nummer 9 oder die 16 aufläuft“. Man hofft natürlich, dass Marius Willsch, Herbert Paul und Oliver Beer an Bord sind, die drei Ex-Schnüdel (regionaler Spitzname für Schweinfurt 05).

Eine Siegprämie würden die Turner ihren Spieler natürlich zahlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es soweit kommt? Geht gegen Null, auch wenn die FTS beim Erdinger-Cup voriges Jahr gegen die Löwen gewann – die hatten damals allerdings ihre U 19 zum Turnier geschickt.

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