Der Sané-Schock und die Folgen

von Redaktion

Der Wunschspieler der Bayern fällt mit einer Kreuzband-Verletzung lange aus

VON DANIEL MÜKSCH

München – Nun herrscht endlich Gewissheit: Leroy Sané hat sich, wie Manchester City gestern Abend bestätigte, im Community Shield gegen den FC Liverpool am Kreuzband im rechten Knie verletzt. Diese Diagnose steht fest, nachdem die Wundflüssigkeit im Knie zurückgegangen war. Es war die „Bild“, die die Art der Verletzung in einem Bericht sogar noch präzisierte: Kreuzbandanriss. Es ist nun vorerst auch egal, welche medizinischen Details noch durchsickern, denn die Ärzte in England haben sich bereits dazu entschieden, den Außenstürmer zu operieren. Damit ist klar: Sané fällt für mehrere Monate aus.

Am Donnerstagabend meldete sich dann auch Hasan Salihamidzic, der Sportdirektor des FC Bayern, zu Wort. Im Anschluss an das Testspiel beim FC Rottach-Egern (23:0) sagte er: „Grundsätzlich ist er erst einmal ein Spieler von Manchester City und zu Spielern, die bei anderen Clubs unter Vertrag stehen, äußern wir uns nicht.“ Dann sagte er noch: „Wir wünschen ihm gute Besserung.“ Ob die Bayern Sané dennoch zu sich holen wollen? Darauf gab es keine Antwort.

Und damit zurück zum Knie: Sportmediziner empfehlen eine Operation bei einer Kreuzbandfraktur nur dann, wenn die Stabilität des Knies gefährdet ist. Theoretisch ist es auch möglich, mit einem angerissenen Kreuzband Leistungssport zu treiben. So hat der frühere Karlsruher Torwart Markus Miller 39 Tage nach seinem Kreuzbandriss wieder mit der Mannschaft trainiert und stand 82 Tage nach der Verletzung wieder zwischen den Pfosten. Ricardo Costa vom VfL Wolfsburg lief unter Felix Magath drei Monate nach seinem Kreuzbandriss ebenfalls wieder auf.

„Kreuzbandriss ist nicht gleich Kreuzbandriss“, auf diese Mediziner-Weisheit verweisen Sportärzte, wenn es um die Ausfallzeit nach einer der häufigsten Sport-Verletzungen geht. Entscheidet man sich – wie bei Sané – allerdings für eine Operation, ist in den meisten Fällen die Stabilität im Knie gefährdet. Mediziner trauen der Muskulatur dann alleine nicht zu, für Stabilität im Gelenk zu sorgen. Es drohen Fehlstellungen, erst recht bei den Belastungen eines Profi-Sportlers. Arthrose ist oft einer der Spätfolgen. Eine Operation soll diese Gefahr eindämmen.

Bei einem operativen Eingriff wird in den meisten Fällen ein Kreuzbandersatz eingesetzt. Dieser wird aus körpereigenem Gewebe gewonnen – wie etwa Teilen der Adduktorensehne oder der der Patellasehne. In Sachen Reißfestigkeit und Elastizität sind diese Sehnen vergleichbar mit dem Kreuzband. Allerdings ist die Reha-Zeit nach einer OP erheblich länger.

Sechs Monate müssen Fußball-Profis selbst bei ihrer optimalen medizinischen Betreuung einplanen. Einfache sportliche Belastungen wie Joggen oder Fahrradfahren sind zwar wenige Wochen nach dem Eingriff möglich. Komplexe Ballsportarten mit vielen Richtungsänderungen, Sprüngen und unberechenbarem Gegner-Kontakt aber erst bei zurückerlangter Stabilität empfehlenswert.

Selbst wenn der Sané-Transfer doch noch über die Bühne geht, müssten die Bayern aller Wahrscheinlichkeit nach die Hinrunde ohne den 23-Jährigen auskommen.

Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass der FC Bayern bereit ist, viel Geld für einen Schwerverletzten auszugeben. Der 80-Millionen-Mann Lucas Hernández kam erst in diesem Sommer auch mit einer kniffligen Verletzung an die Isar.

Der Weltmeister musste sich im März einer Operation am rechten Knie unterziehen. Im Trainingslager der Bayern am Tegernsee konnte er zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren und im ersten Bundesligaspiel gegen Hertha BSC im Kader stehen.

Bis dahin ist es für Leroy Sané ein weiter Weg. Auf ihn wartet jetzt erst einmal eine lange Reha-Zeit. Egal, ob in Manchester oder München.

Mehrere Monate Pause sind die Regel

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