Kommt er nun oder nicht? Wenn er kommt, wie schwer verletzt kommt er? Ist das Kreuzband im rechten Knie „nur“ angerissen? Fest steht: Sané ist schwer verletzt. Ist es sinnvoll, einen Schwerverletzten als Königstransfers zu präsentieren? Und was passiert, wenn er nicht kommt? Viele Fragen, wenig Antworten.
Wie immer das Tauziehen um den hochbegabten Stürmer auch ausgeht, der deutsche Rekordmeister befindet sich in einer Sackgasse. Teilweise aus eigener Schuld durch desolate interne Kommunikation. Teilweise ohne eigenes Verschulden durch die nicht vorhersehbare schwere Knie-Verletzung des 23-Jährigen. In der Außendarstellung wäre ein Scheitern des Transfers eine Riesen-Blamage für den FC Bayern. Dafür haben die Münchner zu offensiv, auch öffentlich, um den Spieler geworben.
Das ist natürlich auch Manchester City nebst Trainer Pep Guardiola nicht verborgen geblieben. Die Engländer können sich seitdem bequem bei einer Tasse Tee zurücklehnen und den Preis – selbst für einen verletzten Spieler – in schwindelerregende Höhen treiben.
Platzt der Transfer auf den letzten Metern, bleiben die Außenpositionen qualitativ und quantitativ unterbesetzt. Gelingt der Coup, wird der wahrscheinlich teuerste Transfer der Vereinsgeschichte die ersten Monate mehr im Reha-Zentrum verbringen als bei der Mannschaft. Frühestens in der Rückrunde könnte Sané eingreifen. Die akuten sportlichen Probleme würde somit selbst eine Sané-Verpflichtung nicht lösen. Und wie der Spieler nach einem Kreuzbandriss zurückkehren würde, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.
Mit einem gesunden, fitten Sané hätten Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und vor allem Sportdirektor Hasan Salihamidzic einige Versäumnisse kaschieren können. Diese Chance ist vertan. Jetzt müssen sich die Verantwortlichen unbequemen Fragen stellen: Warum werden die Nachfolger für Arjen Robben und Franck Ribéry erst gesucht, nachdem beide Altstars den Verein verlassen haben? Wie sollen die sportlichen Ziele mit dem aktuell vorhanden Kader erreicht werden?
Nichts ist lähmender für eine Mannschaft, als schon vor der Saison die Ausreden für das sportliche Scheitern auf dem Silbertablett geliefert zu bekommen.
Daniel.Mueksch@ovb.net