Rottach-Egern – Der Schein trügt für die Profis des FC Bayern. Der Rekordmeister residiert direkt am Ufer des malerischen Tegernsees. Die Vorzüge des Fünf-Sterne-Wellnesstempels Seehotel Überfahrt erleben die Stars aber nur abseits des Trainings. Und Niko Kovac kennt keine Gnade.
Dementsprechend platt erscheint Thomas Müller im Tagungsraum Hirschberg. „Machen wir es kurz und bündig, oder?“, fragt der 29-jährige Ur-Bayer lächelnd: „Heute ist der Tag, an dem alle ein bisserl schwere Beine haben. Aber es gehört ja zu einer Vorbereitung, dass es auch mal ein bisschen raucht im Getriebe.“
Nach den ersten Fragen plötzlich Pause. Müller versteht sofort, sagt: „Wenn sich keiner traut, die unangenehme Frage zu stellen: Zu Transfers kann ich leider immer noch nichts sagen. Ich bin weder Mediziner, noch Transferpolitiker.“
Da die namhaften Neuzugänge für den Offensivbereich noch fehlen, darf der Münchner Nachwuchs am Tegernsee Profi-Luft schnuppern. Müller meint: „Die Jungs sind alle gut. Es geht in der Jugenddebatte beim FC Bayern aber auch nicht darum, dass keine guten Spieler nach oben kommen.“ Sondern eher darum, dass der Sprung in die Bundesligaspitze schlicht zu groß sei. Der 29-Jährige: „Kein junger Spieler hat Zeit, mal reinzuschnuppern, ohne dass es relevant ist, wie das Ergebnis lautet. Das ist bei allen Top-10-Clubs in Europa so.“ Müller selbst gelang sein großer Durchbruch vor rund zehn Jahren unter Louis van Gaal. Der Niederländer hatte damals den legendären Spruch „Müller spielt immer“ geprägt. Der Angesprochene erklärt: „Ich habe keinen Freifahrtschein bekommen. Auch wenn Louis van Gaal diesen Satz gesagt hat. Ich habe den Job auf dieser Position scheinbar einfach am besten ausgefüllt.“
Und genau diese Position existiert in Kovacs bevorzugtem System, dem 4-3-3-, nicht. Müller bereitet das keine Sorgen: „Ich denke nach der langen Zeit, die ich im Profifußball unterwegs bin, sollte mein Stärken- und Schwächenprofil klar definiert sein.“
Die Botschaft an den Trainer: Ich spiele überall – am liebsten im Zentrum. Bei zwei Achterpositionen dürfte für den Raumdeuter auch in der kommenden Saison Platz sein. Ganz egal, wie der Trainer heißt. JONAS AUSTERMANN