Düsseldorf – Ute Groth hat keine Chance, DFB-Präsidentin zu werden. Dennoch hält die 60-Jährige an ihrer Kandidatur fest. Nach Jahren der Arbeit an der Amateurbasis will die Düsseldorferin zumindest ein Zeichen setzen.
Warum bewerben Sie sich als DFB-Präsidentin?
Ich habe das über etliche Jahre mitverfolgen können, was beim DFB passiert oder was nicht passiert. Wenn mir längere Zeit etwas auffällt oder mich stört, habe ich das Gefühl, jetzt musst du selber mal was machen, sonst ändert sich nichts.
Was kritisieren Sie an der Verbandsführung?
Beim DFB dreht es sich um ganz viel Geld, um Glitzer und Glamour. Und um die Amateurvereine wird sich recht wenig gekümmert. Das hat mich geärgert. Deswegen habe ich gedacht, jetzt ist einer zurückgetreten, jetzt kann man seine Hilfe anbieten.
Gab es den einen Moment, an dem sie dachten: Jetzt bewerbe ich mich?
Das war das Viertelfinale im DFB-Pokal, Augsburg gegen Leipzig. Da war der Herr Grindel gerade zurückgetreten und der Herr Koch in der Halbzeitpause im Interview. Da hatte ich den Eindruck, jetzt wird der Posten wieder unter den gleichen zehn Leuten ausgemacht. Eine Frau könnte man sich zwar vorstellen, aber eher lieber nicht. Da habe ich gedacht, jetzt kommt wieder alles, wie es vorher war, jetzt musst du etwas tun.
Was würden Sie als DFB-Präsidentin als erstes angehen wollen?
Der DFB hat viel Glaubwürdigkeit verloren. Das ist, was die Leute auch nervt. Ich würde anfangen zu überprüfen, wie die Vergütungsregeln sind. Das sind ehrenamtliche Leute, die die Vorstandsposten machen. Was kriegen die denn? Ist das angemessen, oder muss man da zurückgehen und das anders regeln? Das sind Ehrenamtspauschalen, die da rausgegeben werden. In einem normalen Verein bekommt man 350 bis 700 Euro pro Jahr als Ehrenamtspauschale für wöchentliche, ehrenamtliche Arbeit. Das scheint mir da ein bisschen abgehoben zu sein. Da würde ich gerne nachgucken.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit der hohen Verbandsebene?
Ich bin das erste Mal beim Verbandstag Niederrhein gewesen, da dort meine Kandidatur hätte behandelt werden sollen. Da sind sehr, sehr viele Leute. Die gehen rein, setzen sich, dann bekommen die von vorne etwas vorgetragen, schöne Filme oder Grußworte, und dann werden Anträge gestellt und die Arme hochgehoben. Es ist ganz selten, dass da mal ein Einwand aus dem Plenum kommt. Das sieht alles sehr abgesprochen aus.
Hatten Sie Kontakt zur Findungskommission des DFB und der DFL?
Nein, gar nicht.
Wie lief das Prozedere für Ihre Bewerbung bislang?
Ich habe ein Schreiben abgegeben. Ich habe keine Unterlagen eingereicht. Ich glaube gar nicht, dass das notwendig ist. Wenn man sich für den Vorsitz eines gemeinnützigen Vereins bewirbt, ist das einzige Kriterium, dass man geschäftsfähig ist, und geschäftsfähig bin ich. Ich verstehe nicht, dass man für ein Ehrenamt irgendwo einen Lebenslauf oder Zeugnisse einreicht.
Aber Sie haben sich offiziell beworben?
Das habe ich satzungsgemäß gemacht. Ich habe einen Antrag fristgerecht an den Fußball-Verband Niederrhein gestellt. Der hätte behandelt werden müssen, am 15. Juni, beim Verbandstag. Er ist aber nicht behandelt, sondern nur im Schlusswort erwähnt worden. Man werde sich mit mir oder meinem Verein in Verbindung setzen, wenn das gesuchte Profil zutreffe, hieß es. Ich kenne es aus dem Vereinsrecht, wenn man Anträge stellt, müssen die verhandelt werden. Aus meiner Sicht ist das anfechtbar.
Sehen Sie eine Chance, Präsidentin zu werden?
Da rechne ich nicht mit. Ich habe die Vertreter der Landes-und Regionalverbände angeschrieben, und die Rückmeldung kam von der Personalabteilung vom DFB, als würde ich mich um eine Stelle als Sekretärin oder Reinigungskraft bewerben. Ich weiß nicht, ob die sich beim DFB schon mit mir beschäftigt haben.
Kritiker werfen Ihnen vor, es ginge nur um Publicity. Was entgegnen Sie?
Das sind Leute, die mich nicht kennen. Das ist mir dann auch egal.
Könnten Sie sich vorstellen, unter einem anderen Präsidenten beim DFB eine Funktion zu übernehmen?
Absolut. Ich bin an Sacharbeit interessiert. Wir im Verein sind der Meinung, dass der Amateurfußball nicht ausreichend gehört wird. Ich habe ein paar Ideen, wie man das machen kann, denn es fängt unten an der Basis an, dass die Leute keine Lust mehr haben, mitzumachen.
Sie gelten als Kritikerin der neuen DFB-Akademie. Was stört Sie daran?
Wir investieren lieber Geld in den Sport anstatt in Steine. Für 150 Millionen Euro hätte man sich die nächsten 20 Jahre im ganzen Land bei Sporthochschulen immer wieder Kompetenz einkaufen können.
Vakant sind auch die Posten bei FIFA und UEFA. Haben Sie Interesse?
Ich glaube, dass es in den Gremien auch in erster Linie um Geld geht und wie es verteilt wird. Auch da hat der DFB noch kein klares Statement abgegeben. Da wird immer mitgeschwommen. Ich glaube, dass man klare Position beziehen muss. Bei der Global Nations League von Gianni Infantino geht es um 25 Milliarden Dollar. Da muss man doch eine klare Haltung haben. Aber man hört nichts.
Interview: Arne Richter