Der Fußball hat es uns in den letzten Jahren nicht gerade leicht gemacht: 100-Millionen-Transfers mit streikenden Superstars, vermeintliche Bestechungen bei WM-Vergaben oder eine Rundum-Vermarktung zum perfekt inszenierten Produkt. Die Liste mit negativen Exzessen ist schnell gefüllt.
Warum wir dieses Spiel aber trotzdem lieben, demonstrierte die erste Runde im DFB-Pokal eindrucksvoll. Hier trifft sich die Mannschaft noch auf dem Parkplatz vor dem Vereinsheim, um gemeinsam zum Spiel ihres Lebens aufzubrechen. Rund um die Sportanlage weht eine unverwechselbare Melange aus Bier und Bratwurst. Nach dem Spiel lässt das ortsansässige Autohaus eine Kiste Bier für die Kabine springen. Solche Szenen aus einer scheinbar entrückten Welt spielen sich in Fußball-Deutschland jedes Wochenende ab: Auf den Plätzen in Delmenhorst, Baunatal oder Verl. Fußball-Deutschland bekommt sie aber nur hautnah mit, wenn diese Teams im DFB-Pokal auf Werder Bremen, den VfL Bochum oder den FC Augsburg treffen. Dann richtet sich das bundesweite Scheinwerferlicht für einen Tag auf diese Clubs.
Freilich hat mein Kollege Günter Klein Recht, der an dieser Stelle vor wenigen Tagen schrieb, dass die meisten Amateure heutzutage unter Profi-Bedingungen trainieren und begleitet werden. Mit dem Veränderungstempo der Bundesligisten können die vermeintlichen Amateure aber dennoch nicht mithalten.
Der Pokal – vor allem in der ersten Runde – ist einer der letzten Orte, an dem Fußball-Romantik und Profi-Geschäft sportlich aufeinandertreffen.
In den letzten Jahren forderten Kritiker immer wieder eine Reform des Pokalwettbewerbs. Topteams wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund sollten erst einige Runden später eingreifen. Dagegen spricht die sportliche Bilanz der ersten Runde. Kaum ein Amateurteam hat sich abschlachten lassen. Eine Reform wäre nur logisch, wenn die sportlichen Welten so weit auseinander lägen, dass die Topteams ihre Gegner zweistellig aus den kleinen Stadien schießen würden. So hat der Pokal auch weiter seine eigenen Gesetze. Auf und abseits des Platzes. Und hoffentlich bleibt das noch eine ganze Weile so. So viel Romantik muss erlaubt sein.
Mit den 100-Millionen-Transfers beschäftigen wir uns dann in nächsten Tagen wieder.
Daniel.Mueksch@ovb.net