München – Inoffiziell kam der Neuzugang schon Anfang der Woche in München an. Aber Heimlichtuerei im Fußball klappt ja schon lange nicht mehr. Deshalb hat der FC Bayern keine großen Versuche unternommen, Ivan Perisic nach seiner Ankunft zu verstecken. Der Kroate war am Montag ohne Verkleidung zum Vereins-Internisten Roland Schmidt in ein Krankenhaus spaziert, wo er den Medizin-Check absolviert hatte.
Dass der deutsche Rekordmeister nicht gleich danach den Transfer verkündet hatte, lag wohl alleine am ein paar Stunden später beginnenden Pokalspiel bei Energie Cottbus. Als die Bayern durch einen letztendlich souveränen 3:1-Sieg die zweite Runde erreicht hatten, war Perisic bereits ein Bayern-Spieler. Der Vertrag war nach der Untersuchung – und vermutlich noch vor Anpfiff der Partie beim Viertliga-Club in Brandenburg unterschrieben worden.
Der 30 Jahre alte Flügelspieler kommt auf Leihbasis für ein Jahr mit anschließender einseitiger Kaufoption von Inter Mailand. Er freue sich, „zurück in Deutschland zu sein“, ließ er in einer Pressemitteilung der Bayern ausrichten. Und dass er mit seinen neuen Kollegen „nicht nur in der Bundesliga und im DFB-Pokal, sondern auch in der Champions League angreifen“ wolle, versteht sich als Spieler des erfolgreichsten deutschen Vereins von selbst. Maximale Ziele selbstbewusst zu formulieren, das ist bei den Münchnern fast Grundvoraussetzung für eine Verpflichtung.
Außerdem ließ er wissen, dass er nicht nur auf den Flügeln daheim ist, sondern bei Bedarf auch Robert Lewandowski in der Spitze ersetzen kann: „Ich habe zuletzt sieben, acht Jahre auf links gespielt, kann aber auch rechts spielen. Ich war auch schon klassischer Stürmer. Ich bin offen für alles.“ Mit 30 Jahren ist Perisic zwar kein Spieler mit großer Perspektive, aber einer, der vermutlich keine lange Eingewöhnungszeit brauchen wird. Er kennt die Bundesliga bestens, als ehemaliger Spieler von Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg, und er kennt Niko Kovac, unter dem er in der kroatischen Nationalmannschaft gespielt hat. Außerdem hat er das, was jüngeren, ebenfalls bei Bayern gehandelten Spielern wie dem 21 Jahre alten Steven Bergwijn von PSV Eindhoven fehlen: Erfahrung auf internationalem Top-Niveau. „Ich bin mir sicher, dass sich Ivan schnell integrieren wird“, sagte Kovac, der sich für die Verpflichtung seines Landsmanns stark gemacht hat. Vielleicht hat sich der Bayern-Trainer schon länger mit Perisic beschäftigt, forciert dürfte er den Transfer haben, nachdem bei Leroy Sané ein Kreuzbandanriss diagnostiziert worden war.
Im Gegensatz zum verletzten deutschen Nationalspieler von Manchester City, der laut englischer Medien mehr als 100 Millionen Euro kostet, ist Perisic ein Schnäppchen, allerdings, wie Kovac findet, auf keinen Fall „eine B-, C-, oder D-Lösung“. Man sollte die Spieler „nicht in die zweite oder dritte Kategorie“ stecken. Jeder habe „den gleichen Respekt verdient“, sagte der Bayern-Trainer.
Tatsache ist aber, dass eben vieles an der Personalie Sané hing. Die hat sich mit der Verletzung nicht erledigt, aber könnte zurückgestellt werden, um in dieser Saison noch einmal in etwas größerem Stil zu investieren und den Kader aufzufüllen, qualitativ und quantitativ.
Vermutlich etwas teurer als Perisic wäre Philippe Coutinho. Ein erstes Angebot für den Brasilianer lehnte der FC Barcelona nach Informationen der Zeitung „Mundo Deportivo“ allerdings bereits ab. Coutinho war erst im vergangenen Jahr vom FC Liverpool gekommen – für eine stolze Ablösesumme von mehr als 150 Millionen Euro. Der spanische Club wäre womöglich aber ganz froh, wenn sich ein Abnehmer für Coutinho finden würde. Kovac wollte das Transfer-Gerücht nicht kommentieren. „Über das redet dann nicht mehr der Trainer, sondern der Sportdirektor.“