Nichts gegen Fritz Keller, aber:

Der Kandidat des Systems

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Der Name Fritz Keller hat gestern Vormittag den deutschen Fußball überrascht. Fritz Keller, der bislang dem SC Freiburg vorsteht, soll Präsident des DFB werden. Weil dann über ihn bekannt wurde, dass er 2018 als „Winzer des Jahres“ ausgezeichnet wurde, gerieten im Netz schnell die ersten Witze in Umlauf. Der „Wein-Keller“. Klingt sympathischer als der „Kölner Keller“, mit dem wir Fehlleistungen der Schiedsrichterei in Verbindung bringen. Jedenfalls ist Fritz Keller ein leicht zu merkender Name – Ken Follett könnte sich keinen besseren ausdenken für einen Deutschen in einem seiner Weltkriegsromane.

Fritz Keller ist all die Jahre weitgehend unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung geblieben, darum muss man, um ihn einschätzen zu können, bei Leuten nachfragen, die schon mal mit ihm zu tun hatten. Die bestätigen das, was auch die DFB-Findungskommission als Begründung zu Papier gebracht hat: Integrer Mensch, uneitel, erfahren, auch den Amateuren zugewandt. Einer, der einen und nicht spalten wird. Eine stille Persönlichkeit, eine angenehme Überraschung, für die der DFB sorgt.

Und doch sollte man aus den Erfahrungen der letzten Jahre vorsichtig sein mit Verheißungen, die aus Frankfurt kommen. Wie viel Berechnung steckt darin, dass die Findungskommission auf Fritz Keller gekommen ist? Ein Freiburger ist eine politisch korrekte Lösung, klimaneutral und ohne Kommerz-Anruch. Freiburg tut niemandem weh, Freiburg ist chic und vorzeigbar.

Doch wird Fritz Keller auch all die Reformen angehen, denen das Haus DFB sich stellen muss? Oder wird er sich mit einer Rolle der Repräsentanz bescheiden? Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass er ja der Kandidat derer ist, die das System DFB beherrschen und die weder Hausmacht noch Posten verlieren wollen. Fritz Keller ist ihr Mann, und diese Konstellation könnte ihn verpflichten, seine Förderer weiter gewähren zu lassen.

Nichts gegen Fritz Keller, absolut nicht. Aber mit einem einzigen Kandidaten in eine Wahl zu gehen, ist das Gegenteil von Demokratie. Was wäre so schlimm daran, mehrere Bewerber zuzulassen – und auch solche, die nicht aus dem Innersten des DFB kommen? Ein Kandidat, und sei es ein guter, ist immer zu wenig.

Guenter.Klein@ovb.net

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