Die Ethikkommission des DFB hat sich im Fall Clemens Tönnies vertagt. Das vierköpfige Gremium unter Vorsitz von Nikolaus Schneider hatte zuvor in einer mehrstündigen Telefonkonferenz mit dem Clubchef von Schalke 04 die rassistischen Aussagen des 63-Jährigen zu Monatsbeginn erörtert. Man benötige „noch einige weitere Informationen, um eine Entscheidung zu treffen, die zeitnah fallen soll“, sagte Schneider. Die Ethikkommission kann zwar keine Sanktionen aussprechen, sie kann allerdings Untersuchungen einleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethik-Kammer des Sportgerichts erheben. Zuvor war der Schalker Ehrenrat zu dem Schluss gekommen, dass der gegen Tönnies erhobene Vorwurf des Rassismus „unbegründet“ sei. Tönnies hatte am 1. August in Paderborn eine Rede zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung“ gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“
Im Zuge des Wirbels um aufgekommene Zweifel an seiner Identität ist Angreifer Bakery Jatta vom Kontrollausschuss des DFB angehört worden. Der Profi des Zweitligisten Hamburger SV wurde bei dem Termin in Frankfurt/Main von Clubchef Bernd Hoffmann, Sportvorstand Jonas Boldt und Anwälten begleitet. Zuletzt hatten DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihr Interesse an einer „schnellen Aufklärung des Sachverhaltes“ bekundet. Wegen des Termins verpasste Jatta in Hamburg das Abschlusstraining der Hanseaten vor der heutigen Partie gegen Bochum. Neben dem DFB prüft auch das für Jatta zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte den Fall „intensiv“. Mittlerweile läuft ein Anhörungsverfahren der Behörde, der Profi aus Gambia hat noch bis Ende kommender Woche Zeit, einen Fragebogen schriftlich zu beantworten. Danach wird über weitere Schritte beraten.