Istanbul – „Aaadriiiaaaan“, brüllte Jürgen Klopp euphorisch in die Nacht von Istanbul und grinste. Der Coach des Champions-League-Siegers FC Liverpool feierte die irre Geschichte seines Torwart-Nobodys Adrian im europäischen Supercup mit einem Schrei, der ihn an einen großen Moment der Filmgeschichte erinnerte: „Wie bei Rocky – als er gegen Apollo Creed verloren hat.“ Allerdings: Rocky alias Sylvester Stallone rief im ersten Teil der Box-Saga verzweifelt nach seiner Frau „Aaadriiiaaaan“.
Im wahren Leben war Adrian der strahlende Sieger. „Eine wundervolle Geschichte“, jubelte Klopp nach dem 5:4 im Elfmeterschießen gegen Europa-League-Gewinner FC Chelsea. Schließlich war der Spanier bisher ziemlich unbekannt, fürchtete im Sommer um seine Karriere – und war erst vor wenigen Tagen von Liverpool als Ersatzmann verpflichtet worden. Nun sicherte der 32-Jährige den Reds mit seinen Paraden die nächste Trophäe.
„Das war eine verrückte Woche“, sagte Adrian, der nach sechs Jahren bei West Ham United im Sommer keinen neuen Vertrag mehr bekommen hatte. Also engagierte Adrian auf eigene Kosten einen Torwarttrainer, um einigermaßen fit zu bleiben. Dann wechselte Simon Mignolet von Liverpool zurück in seine belgische Heimat, Klopp brauchte also schnell eine Nummer 2 hinter dem (aktuell verletzten) Brasilianer Alisson Becker. Am 5. August unterschrieb Adrian bei Liverpool bis 2021.
Im wilden Supercup-Duell mit Chelsea wartete der Spanier mit bemerkenswerten Taten gegen Mateo Kovacic und Mason Mount auf. „Er hat ein unglaubliches Spiel mit sensationellen Paraden gezeigt“, sagte Klopp über seinen Matchwinner: „Dass er auch noch den entscheidenden Elfmeter gehalten hat, war das Sahnehäubchen.“
Nachdem Adrian den Elfmeter von Chelsea-Youngster Tammy Abraham mit dem Fuß pariert hatte, riss sich Klopp an der Seitenlinie los und rannte zu der Jubeltraube, die sich um den Keeper gebildet hatte. „Das fühlt sich groß an“, sagte der 52-Jährige über den Erfolg. „Es war wie ein Boxkampf.“. Und am Ende stand „Aaadriiiaaaan“ als der große Sieger da. sid