Hachioji – Mit letzter Kraft streckte sich Alexander Megos nach dem winzigen Griff, als sein linker Fuß wegrutschte und er einen historischen Kletter-Erfolg um wenige Zentimeter verpasste. Der Sportler aus Erlangen gewann bei den Weltmeisterschaften in Japan die Silbermedaille in der Disziplin Lead, also dem klassischen Schwierigkeitsklettern mit Sicherung am Seil. Er musste sich nur Adam Ondra geschlagen geben. Der Tscheche kam an der überhängenden Wand in Hachioji nahe Tokio einen Griff weiter als Megos. Bronze ging an Jakob Schubert aus Österreich.
Die Freude über den Podiumsrang in der Königsdisziplin war im deutschen Team zunächst ein wenig getrübt, hatte der 26-Jährige doch die Riesenchance, als erster Deutscher Weltmeister bei den Männern zu werden. „Am Ende hatte ich nicht mehr genug Power“, berichtete Megos nach dem Wettkampf. „Es war in Griffweite“, sagte auch Bundestrainer Urs Stöcker und ärgerte sich über die verpasste Möglichkeit. Aber das war Hadern auf hohem Niveau.
Als einer der besten Felskletterer war Megos erst im Vorjahr zurück in das Wettkampfgeschehen gekommen und hatte bei der WM in Innsbruck gleich Bronze gewonnen. Nun folgte die nächste Plakette und darüber hinaus eine gute Ausgangslage für den Kombinationswettkampf. Zum WM-Abschluss werden da nämlich die ersten sieben Startplätze für Olympia 2020 vergeben, wenn Klettern die Sommerspiel-Premiere feiert.
„Alex war der fitteste im ganzen Feld“, resümierte Stöcker. Weil sein Schützling aber früh etwas patzte und dabei Kraft vergeudete, reichte es letztlich nicht zu Gold. „Ich habe zwei, drei Fehler eingebaut. Aber eine WM-Medaille ist immer ein Gewinn“, sagte Megos. „Da muss ich glücklich sein.“
Als Gewinner des Halbfinales war Megos bei der Entscheidung der letzte von acht Startern. „Die Frage ist, ob der Kopf mitspielt und er die Nervosität unter Kontrolle hat“, hatte Stöcker davor gesagt. „Ich hätte gedacht, dass Alex gewinnt“, sagte Sieger Ondra, der sein viertes WM-Gold gewann. „Ich weiß, dass ich nur wegen des Fehlers von Alex gewonnen habe.“
Seit der ersten WM 1991 warten die deutschen Männer weiter auf eine Goldmedaille, Kletter-Ikone Stefan Glowacz 1993 und nun Megos waren als jeweils Zweite am nächsten dran. Bei den Frauen konnte sich Juliane Wurm 2014 in München zur Weltmeisterin im Bouldern krönen. Bei dieser Disziplin werden komplizierte Elemente ohne Seilsicherung in Absprunghöhe geklettert.
Der Aachener Yannick Flohé hatte am Dienstag in Hachioji WM-Bronze im Bouldern geholt. dpa