Unter Beobachtung

von Redaktion

FC BAYERN Kovac muss zeigen, dass er gereift ist – Mandzukic vor Rückkehr?

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Auf den ersten Blick ist fast alles so wie vor einem Jahr, als Niko Kovac in seine erste Trainer-Saison beim FC Bayern startete. Er ist noch immer freundlich, verbindlich, respektvoll und keiner, der sich im Vagen verliert, sondern klare Worte bevorzugt. Und er ist ein harter Arbeiter. Das ist das Bild, das der Kroate nach außen abgibt, und das ist kein schlechtes. Aber viel wichtiger sind natürlich die Erfolge. Trainer beim FC Bayern werden in erster Linie an Titeln und Trophäen gemessen. Kovac hat die Vorgabe zwar erfüllt mit der Meisterschaft und dem Pokalsieg, und das auch noch unter erschwerten Bedingungen, aber gefeiert wurde er dafür vor allem von den Fans.

Er kämpft in seiner zweiten Saison mehr als bei seinem Debüt in München gegen Bedenken. Die Vorbehalte sind größer geworden, weil spielerisch nicht alles rund lief und in der Champions League im Achtelfinale Schluss war. Vor allem bei Karl-Heinz Rummenigge steht Kovac unter Beobachtung. „Ich finde das erste Spiel immer wichtig, weil man als FC Bayern zeigen sollte, dass der Titel nur über uns geht“, sagte der Vorstandschef vor der Auftaktpartie heute gegen Hertha BSC Berlin. Es darf als klare Ansage an den Trainer verstanden werden.

Kovac hätte nach der Saison aufhören können, als Doublesieger-Trainer, aber er ist eben keiner, der aufgibt. Die Situation, seine Situation weiß er richtig einzuschätzen. „Es ist nicht immer ganz einfach“, sagt er über die permanente Drucksituation als Trainer. Seinen Stellenwert kennt er beim FC Bayern wie seine schlagfertige Aussage im Zusammenhang mit der Verpflichtung von Ivan Perisic zeigte. „Ich bin ja auch nur die B-Lösung – und wir haben das Double geholt“, sagte er mit einem Schmunzeln.

In seinem zweiten Jahr bekam er mit Perisic seinen ersten Wunschspieler. Vielleicht gibt es noch einen zweiten. Mario Mandzukic, wie Perisic ein Landsmann von Kovac, von Juventus Turin steht laut „kicker“ und „Gazzetta dello Sport“ vor der Rückkehr nach München, als Back-up von Robert Lewandowski. Juventus Turin will angeblich zehn Millionen Euro Ablöse für den 33 Jahre alten Stürmer, der bereits von 2012 bis 2014 beim deutschen Rekordmeister gespielt hatte.

Mandzukic wäre ein weiteres Kovac-Puzzleteilchen im noch immer nicht optimal zusammengestellten Bayern-Kader. Es mag nun Stimmen geben, die kritisieren, dass der Trainer seine Landsleute um sich schart. Aber das hatte Pep Guardiola einst ja auch getan

Kovac hat in München einiges verinnerlichen müssen, was er so aus Frankfurt nicht kannte. Zu viel Rotation, das weiß er seit der Krise im vergangenen Herbst, als die Bayern Dortmund davonziehen lassen mussten, ist schlecht. Zu wenig natürlich auch. Die Balance zu finden, das war das Kunststück, das Kovac nicht immer gelang. Spieler wie der zu Real Madrid zurückgekehrte James oder Renato Sanches fühlten sich zu wenig berücksichtigt. Das von Spitzen-Taktiker wie Guardiola verwöhnte Münchner Starensemble fand das Kovac-System manchmal zu defensiv und nicht variabel genug. Und der 47-Jährige musste lernen, dass ein famoser Sieg über den Titel-Konkurrenten Borussia Dortmund nicht reicht, damit der Vereinschef alle Spekulationen um des Trainers Zukunft beendet

Nun geht es für Kovac von vorne los, Die Erfolge vom Mai zählen bei der Beurteilung seiner Arbeit in seinem zweiten Jahr nur noch bedingt. Und wenn es holpert in den ersten Wochen, dürfte schnell der Trainer in die Schusslinie geraten. „Man sollte die schönen Momente genießen und die anderen nicht dramatisieren“, sagt Kovac. Das ist keine schlechte Einstellung. Egal, wie es kommt.

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