Als die Aufregung rund um den FC Bayern angesichts noch fehlender Verpflichtungen immer größer wurde, schien es so, als ob sich beim Transferfenster um so etwas wie einen Sommerschlussverkauf handelt: Wer spät dran ist, der bekommt eben nur noch die Ladenhüter, Spieler, die sonst keiner wollte.
Der deutsche Rekordmeister, zugegeben, war in Verzug mit seinen Personalplanungen, und für die Vorbereitung auf die neue Saison wäre es natürlich besser gewesen, Trainer Niko Kovac hätte früher alle Schlüsselpositionen besetzt gehabt. Aber das, was die Münchner zwei Wochen vor Ende der Wechselfrist nun noch bekommen haben, sind richtige Schnäppchen. Da ist ein internationaler Topstar (Philippe Coutinho), der neue Impulse für die Offensive bringen kann und das Spiel-Niveau ähnlich heben kann wie einst Arjen Robben. Dazu kommt ein Routinier mit Bundesliga-Erfahrung (Ivan Perisic), der als kompromissloser Flügelspieler eine andere Qualität hat als die spielerischer veranlagten Serge Gnabry und Kingsey Coman. Und dann kommt ein Talent (Michael Cuisance), dem der FC Bayern aber wohl erst einmal noch ein paar Flausen austreiben muss.
Abgesehen von einem Back-up für Robert Lewandowski, der den Bayern noch gut getan hätte, aber der wohl doch nicht kommt (Mario Mandzukic), sind alle bisher vakanten Stellen im Kader besetzt. Man sei jetzt „so komplett und so gut aufgestellt, wie wir uns das vorgestellt haben“, ließ Präsident Uli Hoeneß wissen.
Die Shopping-Tour der Bayern bekam zwar vor allem so eine Dynamik, weil sich Wunschkandidat Leroy Sané schwer verletzte und eine Verpflichtung vorerst kein Thema mehr ist. Im Gegensatz zum deutsche Nationalspieler, für den Manchester City 150 Millionen Euro Ablöse aufrufen wollte, bergen die Transfers von Coutinho und Perisic kein großes Risiko für die Münchner mit insgesamt nicht einmal 15 Millionen Euro Leihgebühr und dem – im Falle des Brasilianers allerdings üppigen – Gehalt. Es ist vor allen eine Chance – für die Bundesliga und für die Bayern.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net