Kleiner Magier für die Offensive

von Redaktion

Bayern-Neuzugang Coutinho „die Art Verstärkung, die wir gebraucht haben“

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Philippe Coutinho ist gestern früh aufgestanden, um Barcelona zu verlassen. Schon um kurz nach zehn Uhr befand sich der Privatjet mit dem Brasilianer im Landeanflug auf München. Von dort ging es zum Medizin-Check ins Krankenhaus Barmherzige Brüder bei Bayern-Internist Dr. Roland Schmidt. Mittags setzte Coutinho die Unterschrift unter den Vertrag. Er soll, wie die „Bild“ berichtete, 8,5 Millionen Euro Leihgebühr kosten und das Trikot mit der Nummer 10 bekommen.

Am Freitag während des Bundesliga-Eröffnungsspiels der Bayern gegen Hertha BSC verdichteten sich die Gerüchte, dass Coutinho nach München kommt, ehe die Verantwortlichen des FC Bayern nach dem 2:2 die Ausleihe für ein Jahr mit anschließender Kaufoption bestätigten. „Wir bieten unseren Fans etwas Spektakuläres“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidizic.

Nach reichlich Kritik an ihm wegen der ins Stocken geratenen Transferpolitik konnte er nun innerhalb von wenigen Tagen gleich drei neue Spieler präsentieren, wenngleich er mit den Personalien Ivan Perisic und Michael Cuisance, 20, der von Borussia Mönchengladbach kommt und einen Fünfjahresvertrag erhält, noch mehr zu tun hat als mit der des Brasilianers. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ließ wissen, dass er den Sportdirektor unter der Woche zu den Verhandlungen begleitet habe. „Wenn es um viel Geld geht, muss man hin und wieder mitfahren“, sagte er und verwies zudem auf die guten Beziehungen zu Barcas Präsidenten.

Die Bayern lenkten mit der Transfer-Bekanntgabe ab vom nicht perfekten Start. Dass die Münchner hinten bei schnellem Umschaltspiel anfällig sind und vorne die Ideen aus der Zentrale fehlen, wurde am Freitagabend nur am Rande gestreift. Oder heruntergespielt. „Der letzte Pass“, sagte Niklas Süle, „hat ein bisschen gefehlt.“

Zum ersten Mal seit 2008 konnten die Münchner als Titelverteidiger das Eröffnungsspiel nicht gewinnen, damals hatte es ebenfalls ein 2:2 gegeben (gegen den Hamburger SV). Dass dies die einzige Parallele mit der Saison vor elf Jahren bleibt, der FC Bayern wurde nur Meisterschafts-Zweiter – dafür soll auch Coutinho sorgen.

Die umständlichen Offensiv-Aktionen gegen Hertha lieferten beste Argumente für die Verpflichtung des spielstarken Brasilianers, dessen Stammposition der linke Flügel ist. Aber fast noch effektiver spielt er auf der Zehner-Position. Coutinho sei, sagte Kapitän Manuel Neuer, „die Art Verstärkung, die wir gebraucht haben“. Trainer Niko Kovac findet, „dass sich die komplette Bundesliga und ganz Deutschland darüber freuen können, dass wir einen solchen Top-Spieler begrüßen dürfen“.

Coutinho, sagte Brasiliens Nationaltrainer Tite einmal, habe alle Qualitäten, die er sich von einem Fußballer wünsche. „Er ist aus der Mitteldistanz effektiv, gedankenschnell, eiskalt im Abschluss und ein hervorragender Vorbereiter“, lobte er. Zudem habe er „ein starkes Passspiel“ und „großen Ehrgeiz“.

In der Selecao steht Coutinho dennoch im Schatten von Neymar, der es wie keiner im Nationalteam versteht, sich in den sozialen Medien zu zelebrieren. Coutinho gilt als introvertiert. „Ich mag es nicht, über mich zu reden“, sagte er bei einer Pressekonferenz während der WM in Sotschi im vergangenen Jahr. In Abwesenheit von Neymar führte er dann in diesem Juni Brasilien bei der Copa America zum Titel.

In Liverpool war Coutinho einst als „kleiner Magier“ gefeiert worden, aber als er seinen Wechsel nach Barcelona erzwingen wollte, nahmen ihm dies die Fans übel. Bei den Katalanen wurde er nicht glücklich, zerrieb sich im Zweikampf mit Ousmane Dembélé um den Platz an der Seite von Lionel Messi und Luis Suarez. Ähnliches dürfte ihn in München nicht passieren. Da ist er gesetzt. Höchstwahrscheinlich.

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