Wo gibt es den ersten Knatsch?

von Redaktion

FC Augsburg

Am Samstag um 15.31 Uhr war der FCA Blitztabellenführer, um 15.33 Uhr, als der Dortmunder Alcacer zum 1:1 ausglich, schon nicht mehr. Und seit 17.20 Uhr sind die Augsburger Letzter. 1:5 verloren sie in Dortmund. Das ist nicht so schlimm wie das 1:8 in Wolfsburg, mit dem die Vorsaison endete, doch offensichtlich ist, dass die Schwaben über den Transfersommer ihre defensive Schwäche nicht losgeworden sind. In diesen Kontext passt auch ein Vorbereitungsergebnis wie ein 2:6 gegen Villarreal. Und die 1:2-Schlappe im Pokal beim Viertligisten SC Verl.

1:2 (Verl) und 1:5 (BVB) mit dem neuen Torhüter Tomas Koubek. Der tschechische Nationaltorhüter sollte der Königstransfer sein. In Dortmund war er am 1:1, 1:2, 1:3 beteiligt – selten hat man in der Bundesliga einen so fahrigen Goalie gesehen. Ist er wirklich besser als Andreas Luthe und Fabian Giefer, denen man in Augsburg nicht zutraut, eine Nummer eins zu sein? Nun, Koubek steckt noch in einer Art Jetlag. Vorletzte Woche spielte er mit Stade Rennes französischen Supercup in China, 14 Stunden dauerte der Flug zurück, er musste seine Familie dann nach Tschechien verfrachten. Zur neuen Mannschaft fehlt die sprachliche Bindung.

Was wird der FCA tun? Noch einen Verteidiger holen. Stephan Lichtsteiner, Schweizer, 35, zuletzt beim FC Arsenal, nun vertragslos.

SC Paderborn

Über Steffen Baumgart vom SC Paderborn wusste man bis zum Samstag nicht viel. Klar war nur: Wie einer der modernen Konzept- und Tablet-Trainer sah er nicht aus mit Baseballkappe und in Trainingskleidung. Doch für den Auftritt im ZDF-Sportstudio nahm er die Kopfbedeckung ab, zog sich anständig an (weißes Hemd, Jackett) – und gewann Sympathien. In Leverkusen hatte der Aufsteiger 2:3 verloren zwar, aber sich nicht versteckt, Warum auch? „Auf den Bolzplatz früher sind wir doch auch gegangen, um Tore zu schießen und nicht zu verhindern.“ Baumgart kann das Fußball-Geschehen auf einfache Wahrheiten herunterbrechen – Hans Meyer beherrschte das in Vollendung und wurde ein kultiger Trainer. Baumgart („Wir haben gehört, was wir alles nicht können und machen nun eben das, was wir können“) kann nicht weniger unterhaltsam sein. Was er schon bewirkt hat: Paderborn wirkt nicht mehr langweilig.

SC Freiburg

Bei Bayern- und Dortmund-Spielen erlebt man es, dass die Kameras in die Logen hineinfilmen und die Vereinsgranden zeigen. Im Freiburg war das unüblich. Doch seit bekannt ist, dass Sport-Club-Vorstand Fritz Keller Präsident des DFB werden soll, richten sich die Blicke und Linsen auf den 62-jährigen Winzer. Zum Freiburger Spiel gegen Mainz (3:0) kam er – klick, klick, klick – auf dem Fahrrad. Er war zuvor bei einem Amateurspiel gewesen.

Der radelnde Präsident – vorbildlich in Zeiten, in denen man auf den ökologischen Fußabdruck achtet. Aber da Fritz Keller jetzt auch Leitbild und moralischer Kompass des DFB werden soll, wird für ihn gelten: Helm auf!

Ist Freiburg, einer der beiden Wohnsitze von Bundestrainer Joachim Löw, mit der Personalie Keller nun das Fußball-Zentrum der Republik? SC-Coach Christian Streich pariert die Frage: „Wir liegen am Rand, die anderen sind das Zentrum.“

Werder Bremen

1867. Bundesliga-Spiel in der Werder-Geschichte. Kein Verein kann nun mehr vorweisen. Bremen ist der wahre Dauerbrenner, hat nun den Hamburger SV überholt, der nach seinem Abstieg (2018) in der 2. Liga festhängt. Der SV Werder war ebenfalls Gründungsmitglied der Bundesliga, legte 1980/81 aber eine Zweitligasaison ein. Es blieb seine einzige.

Das Spiel, mit dem Bremen die Spitze in der Präsent-Rangliste übernahm, wurde aber vergeigt: 1:3 zuhause gegen Düsseldorf. „Nicht abgezockt genug“, erklärte Trainer Kohfeldt, „wir sind brutal unzufrieden.“ Es fehlte halt der abgewanderte Oberzocker Max Kruse. Kohfeldt kontert: „Wir sollten im Rückblick keine Heldenverehrung betreiben.“ Daran, dass die Herangehensweise richtig sei, habe er „keinen Hauch Zweifel“.

Wolfsburg/Köln

Wolfsburg, gemanagt von Jörg Schmadtke, siegte 2:1 über Köln, Ex-Club von Schmadtke. Der wurde von FC-Fans angefeindet und kritisierte am Sonntag im Sport1-„Doppelpass“ seine Nachfolger: „Der Umgang zeigt mir, dass die Werteskala bei den einen oder anderen in diesem Club ein bisschen durcheinandergeraten ist. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ GÜNTER KLEIN

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