Alltag für den Raumdeuter

von Redaktion

Thomas Müller bekommt im Mittelfeld des FC Bayern reichlich Konkurrenz – mal wieder

VON JOSE CARLOS MENZEL LOPEZ

München – Thomas Müller kennt das Gerede mittlerweile aus dem Effeff. Kaum hat sich der FC Bayern ein neues Offensivsternchen geangelt, wird er auf die Bank geschrieben. So war es 2017, als James Rodríguez aus Madrid kam, so ist es jetzt nach dem Transfer von Coutinho aus Barcelona. Der Brasilianer hat gerade einmal zwei Einheiten an der Säbener Straße absolviert, schon muss Müller zittern. Sagte Louis van Gaal einst „Müller spielt immer“, heißt es nun: Müller spielt nimmer!

Taktischer Hintergrund: Für Coutinho soll Niko Kovac eine Systemänderung in Betracht ziehen. Aus 4-3-3 mach 4-2-3-1 – so kann der Neue auf seiner angestammten Zehner-Position kicken und sein komplettes Potenzial ausschöpfen. Thiago und Goretzka kämen auf die Doppelsechs, Coman und Gnabry auf die Flügel, Lewandowski in die Spitze – und Müller auf die Bank! So sieht es zumindest die Theorie vor, in der Praxis kam es für Müller im schönen Regelfall aber nicht so düster.

Beispiel James: Wirft man einen Blick auf Lisa Müllers Instagram-Historie, erkennt man schnell, dass ihr Gatte auch schwierigere Phasen durchleben musste. Speziell nach Müllers Roter Karte in der Königsklasse gegen Ajax vergangenes Jahr kam James oft zum Zug und Müller fand sich vermehrt auf der Ersatzbank wieder – doch die nackten Zahlen zeigen: Der Ur-Bayer hatte klar mehr Einsatzzeit.

3251 Minuten stand der Weltmeister wettbewerbsübergreifend auf dem Platz, womit er auf Platz sieben der am meisten eingesetzten Spieler der Saison 18/19 liegt. James ist mit gerade einmal 1654 Minuten nur Platz 15 in dieser Kategorie. Müller ist Konkurrenz gewöhnt. Egal ob James, Götze oder jetzt Coutinho – seit seinem Sprung zu den Profis 2009 hat sich das FCB-Eigengewächs stets in den Top-11 in Sachen Einsatzzeit wiedergefunden. Das soll sich nun auch in seiner zehnten Saison nicht ändern.

Das ist auch Coutinho selbst ein Begriff, der sich bei seiner Vorstellung wie folgt über den Vize-Kapitän äußerte: „Ich will mein Bestes geben. Natürlich hat Müller oft auf der Zehn gespielt. Das wird der Trainer entscheiden. Ich habe bei Barça auch links gespielt. Müller ist ein großes Idol, ein Weltstar. Ich bin glücklich, mit ihm spielen zu dürfen.“ Was Müller zugute kommt: Einen Raumdeuter, wie sich der Bayer einmal selbst beschrieb, hat Bayern so kein zweites Mal im Kader. Dass er auch auf die Flügel ausweichen kann, macht den 30-Jährigen noch wertvoller.

Beim Blick auf den Kader wird aber dennoch schnell klar: Im Mittelfeld herrscht generell Massenpanik. Ohne Müller dazuzuzählen – der Klub führt ihn offiziell unter der Kategorie Stürmer – verfügt Kovac über elf Mittelfeldspieler. Schenkt man einem Bericht der „Sport Bild“ Glauben, könnten es vor dem Ende des Transferfensters am 2. September noch mehr werden. Der Grund: Kovac hat nach der Defensivleistung beim Saisonauftakt gegen Hertha BSC (2:2) spontan Lust auf Verstärkung auf der Sechs bekommen. Im Gespräch ist weiter Marc Roca, für den Espanyol aber weiter die festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro will.

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