Das österreichische Herz von Vail schlägt nicht mehr

von Redaktion

Pepi Gramshammer war einer der ersten Ski-Profis: Sein Glück fand er in Amerika, wo er den Präsidenten unterrichtete

München – Österreichischer Sportler, der in Amerika zur Berühmtheit, zur Marke geworden ist? Arnold Schwarzenegger. Ja, der auch. Doch es gab einen, der früher hinüberging. Ein Skifahrer. Pepi Gramshammer. Er wurde zum König von Vail. 87-jährig ist er nun gestorben.

Dass Vail in Colorado zu einem regelmäßigen Gastgeber im alpinen Ski-Weltcup wurde und die WM schon dreimal, zuletzt 2015, in Vail und Beaver Creek stattfand, hatte mit Gramshammer zu tun. In den 50er-Jahren bildete er mit Toni Sailer, Ernst Hinterseer und Anderl Molterer den Kern des österreichischen Ski-Nationalteams. Als er sich für die Olympischen Spiele 1960 nicht qualifizieren konnte, ging Gramshammer, gelernter Käser, als Skilehrer und Profiskifahrer in die USA. 1962 war der Kufsteiner der Topläufer im Profizirkus, hatte private Sponsoren aus der Ski-Industrie, als im olympischen Amateursport noch das Prinzip der Werbefreiheit galt.

Für das neu entstehende Skiresort in Vail wurde er Botschafter, machte die PR – und erbaute seinen „Gasthof Gramshammer“. Der wurde bei den Weltmeisterschaften automatisch zum Österreich-Haus. Und natürlich gehörte Gramshammer dem WM-Organisationskomitee an. Im 5000-Einwohner-Ort war er so bekannt wie die weltbeste Skifahrerin Mikaela Shiffrin, die dort geboren wurde.

Pepi wurde in den 60er-Jahren der Freund und private Skilehrer von US-Präsident Gerald Ford, der bei ihm Urlaub machte, und durfte mit seiner Frau Sheika auch Gegeneinladungen ins Weiße Haus annehmen. Bei Fords Bestattung war er einer der Sargträger.

Der österreichische Skisport verbindet mit Gramshammer seine zünftigen Medaillen-Feiern, wenn die WM in Vail stattfand. Dann machten die Granden aus Austrias Sport und Showbusiness beim Hausherrn ihre Aufwartung. 2005, zum 100. des österreichischen Ski-Verbands, zeichnete ihn der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für seine Verdienste aus. GÜNTER KLEIN

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