Einigung auf Fritz Keller

Im Weinberg des deutschen Fußballs

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Gerhard Mayer-Vorfelder hätte sich das zu Lebzeiten wohl nie vorstellen können: Dass es nach ihm mal einen DFB-Präsidenten geben würde mit noch größerer Kompetenz auf dem Gebiet der Weinverkostung und des -anbaus. Aber so kommt es jetzt: Fritz Keller aus Freiburg, der „Winzer des Jahres“, ist seit gestern offiziell als Kandidat von Profis und Amateuren für den DFB-Bundestag nominiert. Ein paar Landesfürsten aus dem Osten hatten gemosert, ließen sich aber – durchaus üblich im männerbündlerischen Verbandswesen – besänftigen und umstimmen. Fritz Keller hat also eine breite Mehrheit, es steht keine Blamage zu befürchten Ende September.

Was ist von dem bislang unbekannten Mann aus Freiburg zu halten? Er wird – um im Winzer-Bild zu bleiben – ein einfacher Arbeiter im Weinberg des deutschen Fußballs sein, zufrieden mit der Aufwandsentschädigung, die er bekommt, er steht für „Bodenständigkeit, Integrität, Glaubwürdigkeit“ und ist gewiss auch für den Weltfrieden, er wird keinen Ärger machen, von Oligarchen keine Uhren annehmen – schon weil er keine Bonzen treffen wird. Fritz Kellers Revier wird der deutsche Fußball sein, die weitaus höher dotierten Jobs in Exekutive von UEFA und Rat der FIFA übernimmt er nicht. Das Amt des DFB-Präsidenten erhält einen neuen Zuschnitt: eher Bundespräsident als Kanzler.

Keller wird zur Vorzeigefigur, mehr aber auch nicht. Bei der Liga steigt durch eine Strukturreform die Macht von Christian Seifert, der als DFL-Geschäftsführer und nun Sprecher des Vorstands für die wundersame Geldvermehrung aus TV-Verträgen und Auslandsvermarktung zuständig ist. Deutschlands Außenminister wird Dr. Rainer Koch aus Poing, der bisher schon der auffälligste der elf DFB-Vizepräsidenten war und den DFB in den internationalen Dachverbänden vertreten wird. Koch war immer dabei, wenn eine DFB-Delegation in Zürich oder Nyon auftrat, er ist ein (Sport-)Politiker und ausreichend vernetzt, um ohne Einarbeitung einsteigen zu können.

Vor der letzten Wahl hat man sich gewundert, warum Koch das Feld Reinhard Grindel überließ und nicht selbst als DFB-Präsident kandidierte. Die Entwicklungen bestätigen Kochs Weg. Er überlebte Grindel, er suchte als Chef der Findungskommission den neuen Präsidenten Keller und steigt selbst auf. Clever gemacht. Gerhard Mayer-Vorfelder würde anerkennend nicken.

Guenter.Klein@ovb.net

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