Pendler zwischen den Welten

von Redaktion

Fritz Keller will als neuer DFB-Präsident den Amateur-Fußball wieder stärken

VON JAN CHRISTIAN MÜLLER

Berlin – DFB-Vizepräsident Rainer Koch sah besonders zufrieden aus bei der großen Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball-Liga im Maritim-Hotel. Der bestens vernetzte Strippenzieher aus Bayern kam noch vor dem designierten DFB-Präsidenten Fritz Keller zu Wort, nachdem der Kandidat nach seiner persönlichen Vorstellung mit 37 von 38 Stimmen der Amateurvertreter der Landesverbände Unterstützung erfahren hatte. Nur der sächsische Verband stimmte nicht für den 62-Jährigen aus Freiburg, der am 27. September in Frankfurt zum neuen Chef des Sieben-Millionen-Mitglieder-Verbandes gewählt werden soll.

Koch verteidigte den von einigen Amateurvertretern kritisierten geheimen Ablauf der Suche. „Aus unserer Sicht ist Fritz Keller mit weitem Abstand die Person, die die Voraussetzungen am besten erfüllt.“ Keller, von Beruf Winzer, saß neben dem DFB-Vizepräsidenten und sah ein wenig angestrengt aus. Da spürt einer offenbar, was für eine Mammutaufgabe auf ihn zukommt: „Diese Aufgabe stand nicht in meiner Lebensplanung. Es war ein kleiner Schock, als ich gefragt wurde, und dann habe ich mir gesagt, wenn man mir das zutraut, dann mache ich das gerne.“

Auch die Amateurklubs bekamen dann noch ihr Zuckerl vom designierten DFB-Boss: „Eine Aufgabe ist es, auch Lobbyarbeit bei den vielen Helden des kleinen Fußballs zu verrichten.“ Zu den anstehenden Verhandlungen um den umstrittenen Grundlagenvertrag mit den Bundesligisten sagte Keller: „Selbstverständlich ist es wichtig, so viel wie möglich für den Amateurbereich reinzuholen. Es wird kontroverse Diskussion geben, wessen Hut ich da aufhabe, ist auch klar.“ Den der kleinen Klubs offenbar. Daran wird der vielfach ausgezeichnete Gastronom sich messen lassen müssen. „DFB muss mehr Lobbyarbeit leisten für seine Vereine. Meine heilige Kuh sind die Vereine.“ Hehre Worte, die so ähnlich auch seine Vorgänger stets bemühten.

Bundesligaboss Seifert kündigte gütige Verhandlungen ums liebe Geld an, vorausgesetzt, er könne erkennen, dass der DFB sich tief greifend reformiere. Zuletzt habe er sich mit Blick auf den Mutterverband der DFL und der Geldströme nach unten oft gefragt: „Dienen diese Summen tatsächlich dem Fußball? Denn wenn sie in ein effizientes System investieren, erhöhen Sie nicht den Grad der Effizienz, sondern den der Ineffizienz.“

Effizient arbeiten will der neue starke Mann im DFB mit Hingabe. Grundsätzlich, so Keller, sehe er seine Aufgabe im nationalen Bereich. „Ich möchte nicht in Gremien der Fifa und Uefa gehen. Ich habe Herrn Koch gebeten, diese Aufgaben zu übernehmen.“ Ohnehin sei die Aufgabe des DFB-Präsidenten ein Fulltimejob, von dem er sich nicht auffressen lassen will. „Ich möchte auch noch mal eine Bratwurst bei einem Amateurspiel essen. Das will ich mir nicht nehmen lassen.“ Und doch: Er werde die Aufgabe intensiv angehen: „Entweder mache ich es richtig oder gar nicht.“ Zunächst werde einen unabhängiger Vergütungsausschuss ins Leben gerufen, um die Zahlungen an die Präsidiumsmitglieder in einem transparenten Vorgang zu bestimmen.

Bezüglich der Nominierung des im Profilager kritisch gesehenen Amateurvertreters Koch für die Uefa- und Fifa-Regierungsarbeit äußerte Seifert kühl: „Ich halte die Ämter von Fifa und Uefa in Deutschland für überschätzt. Internationale Arbeit besteht darin, Netzwerke aufzubauen. Da hat der DFB in den letzten Jahren signifikant an Einfluss verloren.“

Die DFL unterstütze „Herrn Koch darin, dass wir eine verlässliche deutsche Position einnehmen.“ Das sei zuletzt wahrlich nicht immer der Fall gewesen. Er sei erstrebenswert, dass ein neuer DFB-Präsident sich dabei nicht verzettele, weil er durch internationale Aufgaben zu sehr abgelenkt würde.

Kellermeister Keller plant, regelmäßig auf Tour zwischen seiner südbadischen Heimat und der Frankfurter Verbandszentrale zu gehen. Er hat sich bereits umfassend über die beste Wegeführung informiert: „Gut, dass Freiburg und der Frankfurter Airport ICE-Haltestellen sind. Von dort gibt es die S 9 zum DFB und dann noch fünf Minuten Fußweg.“

Seine in Freiburg stets wiederkehrenden allzu emotionalen Ausbrüche will er im neuen Amt eindämmen, ohne sich aufzugeben: „Ich werde mich bemühen, etwas staatsmännischer aufzutreten. Aber ich liebe und lebe den Fußball und werde mich nicht komplett verändern.“

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