Raubling – Beim Namen Lennard Kämna gerät Ralph Denk ins Schwärmen. „Er hat einen großen Motor“, sagt der Teamchef des Raublinger Radrennstalls Bora-hansgrohe über seinen neuen Hoffnungsträger. Spätestens seit der Tour de France, wo der 22-Jährige aus Wedel als Debütant für Furore gesorgt hatte, ist auch Denk vom Kämna-Virus befallen.
Dessen 4. Platz beim Anstieg hinauf auf den Alpen-Riesen Galibier hatte Wirkung in der Szene hinterlassen. Wohl einige Teams schrieben den Namen des aufstrebenden Profis nach den Galavorstellungen in den Alpen und Pyrenäen auf ihre Wunschzettel. Doch Kämna kannte nur eine Richtung: vom Team Sunweb zu Denk und Bora-hansgrohe. Dort unterschrieb er bis 2021 und soll zum letzten Mosaiksteinchen einer deutschen Erfolgsgeschichte werden.
Viele Kapitel dieser Story hatte Bora-hansgrohe bei der Tour 2019 schon geschrieben. Dort ging der Stern von Emanuel Buchmann (Ravensburg) mit Platz vier in der Gesamtwertung auf. Peter Sagan holte sein siebtes Grünes Trikot und löste damit Erik Zabel als Rekordhalter ab.
Für die meisten Rennställe wäre eine solche Bilanz ein Traum, doch das Team aus Raubling will mehr. Und da kommt Kämna gerade recht. Der Youngster ergänzt das prall gefüllte Portfolio ideal: Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann (Berlin) für die Rundfahrten, Peter Sagan und die große deutsche Hoffnung Pascal Ackermann (Kandel) für den Sprint.
Nun auch noch Kämna, der Allrounder mit besonderen Qualitäten, vor allem im Kampf gegen die Uhr. Und gerade hier hat Bora Bedarf. Im Teamzeitfahren bei der Tour hatte die Equipe um Buchmann womöglich dessen Podiumsplatz verspielt. 46 Sekunden betrug der Rückstand auf Jumbo-Visma mit dem im Endklassement drittplatzierten Steven Kruijswijk. Im Schlussklassement lag Buchmann 25 Sekunden hinter dem Niederländer.
Denk ist überzeugt, dass Kämna als Zugmaschine diese Lücke schließen kann, schließlich war der Neue 2017 Weltmeister im Teamzeitfahren. „Lennard ist unbestritten ein großes Talent“, erklärte der 45-Jährige, „es war beeindruckend zu sehen, wie er sich in der letzten Tourwoche präsentiert hat. Immer aktiv, immer vorne dabei und das jeden Tag.“
Für Kämna fühlt sich sein Wechsel zur deutschen Bora-Fraktion „im Moment sehr gut an“. Wenn man sich ansehe, „wie breit Bora mit jungen Fahrern in die Spitze vorgedrungen ist, kann man nur sagen: Dort wird vieles richtig gemacht“, sagte er. Denk kündigte unterdessen an, Kämna nicht verheizen zu wollen.: „Wir werden ihn genauso behutsam aufbauen, wie wir das schon mit Emanuel oder Pascal gemacht haben. Er wird seine Chancen bekommen, aber wir werden nichts überstürzen.“ dpa