Flexibel im System

von Redaktion

Bayern-Coach Kovac plant gegen Schalke mit Perisic – aber ohne Coutinho

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Nein, schlaflose Nächte hat Trainer Niko Kovac nicht gehabt wegen der bevorstehenden Herausforderung. Nicht einmal Kopfzerbrechen bereitet den Trainer des FC Bayern die Integration von Philippe Coutinho ins Münchner Spielsystem. Schon gar nicht vor dem ersten Auswärtsspiel am Samstag beim FC Schalke 04, denn da wird der Leihspieler vom FC Barcelona nämlich erst einmal nicht auf dem Platz stehen.

Er sei noch nicht auf dem Fitness-Niveau der Kollegen, sagte Kovac. Er habe noch „Nachholbedarf“ und „ist noch nicht so weit“, hat der Bayern-Coach nach den ersten Trainingseinheiten von Coutinho festgestellt. Wegen der Teilnahme an der Copa America war der Brasilianer erst mit großer Verspätung vor gut zwei Wochen bei Barcelona in die Vorbereitung eingestiegen. „Auch wenn viele wollen, dass er gleich spielt: Wir werden ihn nicht verheizen“, ließ Kovac wissen. Coutinho kann sich erst einmal als Zuschauer auf der Bank einen Eindruck von seinen neuen Teamkollegen machen.

Dass Kovac eine grundlegende Systemveränderung vornehmen muss, damit der 27-Jährige dort spielen kann, wo er sich am wohlsten fühlt, wo er laut Vereinschef Karl-Heinz-Rummenigge am stärksten ist, auf der Zehnerposition, sieht der Bayern-Coach nicht. Man habe auch in der vergangenen Saison zwischen zwei Grundordnungen gewechselt, sagte er und findet: „Entscheidend sind nicht die Systeme, sondern die Profile der Positionen.“

Coutinho wird ohnehin spielen, wo ihn der Trainer hinstellt. Denn er mag ein Superstar sein, aber er ist keiner, der bei einem Verein einen Forderungskatalog auf den Tisch legt „Er ist nicht der Typ, der eine Sonderstellung möchte“, sagte Kovac. Ganz im Gegenteil: Coutinho sei „ein eher ruhiger, bescheidener, demütiger junger Mann“.

Das von ihm präferierte 4-3-3 will Kovac also nicht ganz aufgeben. Da sich Coutinho auch gerne in den Halbräumen bewegt, könnte er auch als Achter agieren. „Wir werden es schon hinbekommen, dass wir in jedem Spiel die beste Mannschaft und das für sie richtige System haben“, ist Kovac sicher. Wichtiger ist es für ihn, flexibel zu agieren – und diese Möglichkeit wird mit Coutinho größer.

Im zweiten Saisonspiel bleibt also erst einmal alles beim Alten. Fast alles. Neben Leon Goretzka fällt auch der erkrankte Jerome Boateng aus, der allerdings beim Auftakt nur auf der Bank saß. Und es könnte sein, dass es doch ein Startelf-Debüt gibt. Ivan Perisic, sagt Kovac, sei auf dem Fitness-Stand der Bayernspieler und deshalb „eine Option, vielleicht von Anfang an“.

Der 30 Jahre alte Kroate, der den Auftakt gegen Hertha BSC wegen einer Gelb-Sperre verpasst hatte, war in den vergangenen Tagen ein wenig in den Hintergrund gerückt wegen Coutinho. Eine System-Diskussionen löst sein Mitwirken ohnehin nicht aus. Der Flügelstürmer ist ein ganz andere Spielertyp wie Kingsley Coman oder auch Serge Gnabry. Er löst die Aufgaben mehr mit Wucht und Schnelligkeit statt mit Dribblings. Auch das gehört zur neuen Flexibilität des FC Bayern.

Artikel 1 von 11